Was heißt es, auf Dauer eine ausgeglichene Haushaltspolitik zu sichern, so wie es SPD, CDU und Linke als einen Grundsatz für den Kreis Barnim festgeschrieben haben? "Wie wird sich das auf die Auftragslage für die ortsansässigen Unternehmen auswirken?", fragt BMH-Vorsitzender Carsten Schmidt. Sei es überhaupt sinnvoll, in Zeiten niedrigster Zinsen Investitionsmittel anzusparen, statt in Zukunft auch unter Zuhilfenahme von Kreditmitteln der Kreissparkasse zu investieren? Panketals Bürgermeister Rainer Fornell (SPD) wird später einhaken: "In dieser Phase liegt es auf der Hand, zu investieren. Wann, wenn nicht jetzt, da Geld billig zu haben ist?" Der Kreis könne den Gemeinden helfen, wenn er nicht im Wege stehen würde, bemerkt er und kritisiert die "restriktive Kreditgenehmigungspraxis des Kreises" als "wirtschaftshemmend". Selbst Kommunen wie Bernau und Panketal, die ausgeglichene Haushalte haben und schuldenfrei sind, würden Steine in den Weg gelegt, stellt Fornell fest.
Carsten Bockhardt (CDU), Vize-Landrat und Dezernent für Kreisentwicklung, hält an der Barnimer Politik fest: "Wir haben uns die ganzen Jahre bemüht, einen ausgeglichenen Haushalt zu haben", sagt er und vergleicht den Kreisetat mit einem Familienbudget. Zuhause gehe man auch sparsam mit dem Geld um und nehme nur in Ausnahmefällen einen Kredit auf. Im Übrigen sei die Kreisverwaltung an die Gesetze gebunden. "Der Landrat heißt Landrat und nicht Landgraf. Der kann den Daumen nicht hochhalten oder senken. Einen Freibrief kann keine Kommune bekommen", erweist sich Bockhardt als linientreuer Vize. Linke-Kreistagsfraktionschef Lutz Kupitz, Befürworter des Grundlagenpapiers wie Bockhardt und im Gegensatz zu seinen Amtskollegen von SPD und CDU der einzige, der sich der Debatte stellte, lenkt hingegen ein: "Die Kreditgenehmigungen sollte man sich noch einmal ansehen", sagt er.
"Was heißt es für den Niederbarnim, dass strukturschwache Teile des Landkreises eine anteilig stärkere Förderung bekommen sollen?", fragt BMH-Chef Schmidt weiter ab. Und Dieter Korczak möchte wissen, welche Visionen für den Landkreis die geheimen Koalitionäre von SPD, CDU und Linken haben? Lutz Kupitz spricht von gleichartigen Lebensbedingungen in allen Regionen - in Bezug auf Mobilität, Bildung, den Erhalt von Wirtschaftsstandorten. Um die Region zusammenzubinden, sei "solidarisches Verhalten notwendig", ist er überzeugt. Für Carsten Bockhardt beispielsweise bedeutet das: Wenn die Kirchen in Golzow (Oberbarnim) und Birkholz (Niederbarnim) aus dem 200000-Euro-Denkmalpflegefonds Geld für ein neues Kirchendach wollen, würde er immer der Golzower den Vorrang einräumen. Ähnliches gelte für Infrastrukturmaßnahmen wie den Radwegebau. Finanzielle Förderung müsse in die strukturschwachen Regionen gehen, ist er überzeugt. Elke Keil (SPD), Stadtverordnete in Bernau, bemerkt: "Wir sollten mal ein regionales Projekt entwickeln und einreichen. Mal sehen, was daraus wird..."
Dem Bernauer Stadtverordneten und Kreistagsabgeordneten Othmar Nickel (CDU) liegt die in der Vereinbarung notierte Bildung von Kreisenergiewerken besonders schwer im Magen. "Unehrlich" findet er das Ganze. Dann solle man doch sagen, dass es "nördlich von Biesenthal" eine Stadt gebe, die keine eigenen Stadtwerke habe, dafür aber einen Zoo, ein Spaßbad, einen Familiengarten, die sie sich nicht leisten könne. Nicht ganz so drastisch, aber ähnlich sieht auch Unternehmer Manfred Hübler Kreisenergiewerke: "Das verstehe ich auch nicht", sagt er. "Brauchen wir die, weil in Eberswalde etwas schiefgelaufen ist?" Eine Zusammenarbeit im Energiebereich gehe doch auch.Prof. Michael Schäfer, Experte für Kommunalwirtschaft an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, hält diesen Punkt ebenfalls für unausgegoren. "Niemand weiß, was sie damit meinen", sagt er Bockhardt und Kupitz auf den Kopf drauf zu. "Kreiswerke machen alles: Strom, Wasser, Gas, Entsorgung", zählt Schäfer auf und trifft damit einen wunden Punkt bei den Bernauern und Panketalern im Saal. Panketals Abkehr vom Wasser- und Abwasserverband Panke/Finow schmerzt beide Seiten. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.