In dem Ausstellungskatalog zur Bernauer Skulpturensammlung im Kunstraum der Stadt stand der „Junge Bär“ bislang auf der Liste der verschollenen Kunstwerke. Dort kann er jetzt gestrichen werden. Die Skulptur, die Hellmuth Chemnitz 1958 schuf, ist ab sofort in dem 2013 eröffneten Ausstellungsraum in der Alten Goethestsraße zu sehen. Auf der Verschollenen-Liste stehen damit nur noch vier Kunstwerke.

Recherchen im Internet

Es sei ein „Glückstreffer“, sagte Bernaus Kulturamtsleiter Christian Schwerdtner, dass die Stadt auf die Spur des „Jungen Bären“ gestoßen sei. Bei Recherchen im Internet wurde die Figur aus dem Nachlass des Künstlers entdeckt. Es ist ein Gipsguss. Die Originalskulptur aus Bronze bleibt verschollen. Das Exemplar, das jetzt im Kunstraum zu sehen ist, wurde dereinst bronzeähnlich bemalt. Weitere Abgüsse gibt es nicht. Zu besichtigen ist der Bär – er gewinnt unbeabsichtigt an Gewicht, da ein Bär auch im Bernauer Wappen zu sehen ist – somit ausschließlich in Bernau.
Die Bedeutung der Sammlung nimmt nicht nur mit dieser Entdeckung an Bedeutung zu. Die mehr als 20 Skulpturen standen in der ehemaligen SED-Politbürosiedlung. Nach der Wende wurde der künstlerische Stellenwert der Sammlung mit Werken von Heinrich Drake über Waldemar Grzimek bis Ingeborg Hunzinger erst nach und nach allgemein wahrgenommen.

Ehrengast zur Eröffnung

Zur Enthüllung der Bärenskulptur begrüßte Bernaus Bürgermeister André Stahl  Lore Plietzsch als Ehrengast. Die 89-Jährige ist die einzige heute noch lebende Künstlerin, die mit einem Werk, der „Schwimmerin“, in der Waldsiedlung vertreten war. Die Anfragen nach Leihgaben gehen inzwischen weit über die Grenzen der Stadt hinaus, würdigte Stahl die Bedeutung der Ausstelllung. Parallel zu der Enthüllung ist die zweite, überarbeitete Auflage des Ausstellungskatalogs erschienen. Er ist für vier Euro im Kunstraum, Alte Goethestraße 3, erhältlich.