Am Sonnabend liefen noch einmal alle Wahlkämpfer zur Hochform auf. In der Bürgermeisterstraße gaben sich SPD, Linke, Bündnisgrüne und FDP mit Informationsständen ein Stelldichein. Gleich daneben hatten Péter Vida und seine Mitstreiter von BVB/Freie Wähler zum Familienfest als Abschluss ihres Wahlkampfes eingeladen. Doch zunächst sahen die sich mit einer Demonstration konfrontiert. Unter der Überschrift "Wahlfreude und Glauben an die zehn Gebote: Du sollst nicht lügen", war sie von Maria Andrea Hüttinger, Ehefrau des SPD-Stadtverordneten Josef Keil, angemeldet worden. "Herr Vida, bleiben Sie bei der Wahrheit!", rief die Christin dem Spitzenkandidaten von BVB/Freie Wähler zu. Sie reagierte damit auf dessen Wahlkampf, der in den letzten Wochen von vielen Kontrahenten als besonders aggressiv und demagogisch bewertet wurde.
Doch die Wähler haben das offenbar ganz anders gesehen. Landesweit kommt BVB/Freie Wähler auf 5,1 Prozent der Stimmen und zieht damit zum ersten Mal in Fraktionsstärke in den Brandenburger Landtag ein. Im Wahlkreis 14 (Bernau/Panketal), in dem Péter Vida als Direktkandidat antrat, führte er nach ausgezählten 67 von 70 Wahlbezirken mit 2,09 Prozentpunkten vor Britta Stark (SPD) und hatte damit das Direktmandat so gut wie sicher. In der Spitzenkandidaten-Runde beim rbb freute sich Vida über das gute Abschneiden von BVB/Freie Wähler. "Das ist der größte Erfolg, den wir hier in Brandenburg je hatten", sagte der 35-Jährige. Er sehe darin eine Bestätigung der Sachpolitik der letzten Jahre. Und dabei würden die Bürgerbewegten auch bleiben: "Wir wollen Inhalte voranbringen, gern auch mit wechselnden Mehrheiten", kündigte er an.
Im Wahlkreis 15 (Ämter Biesenthal-Barnim, Britz-Chorin-Oderberg, Gemeinden Ahrensfelde und Wandlitz, Stadt Werneuchen) lieferten sich Steffen John (AfD) und Britta Müller ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Direktmandat. Nach ausgezählten 94 von 98 Wahlbezirken führte der AfD-Mann mit 0,62 Prozentpunkten.
Zu einem Duell um das Direktmandat zwischen Hardy Lux (SPD) und Roman Kuffert (AfD) kam es im Wahlkreis 13 (Stadt Eberswalde, Gemeinde Schorfheide, Stadt Joachimsthal). Bei ausgezählten 71 von 74 Wahlbezirken konnte Hardy Lux 23,99 der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen. Kuffert lag zu diesem Zeitpunkt 0,65 Prozentpunkte hinter dem Sozialdemokraten.
Abweichung vom Landestrend
Um 20.29 Uhr waren im Barnim 235 von 242 Wahlbezirken ausgezählt. Von den insgesamt 151 719 Wahlberechtigten hatten da 57,62 Prozent ihre Erststimmen abgegeben und sie wie folgt auf die Direktkandidaten der Parteien verteilt: SPD – 23,06 Prozent, CDU – 14,54 Prozent, Die Linke – 14,13 Prozent, AfD – 21,55 Prozent, Grüne/Bündnis 90 – 9,12 Prozent, BVB/Freie Wähler – 13,68 Prozent, FDP – 2,58 Prozent, Die Partei – 1,35 Prozent. Damit wichen die Barnimer leicht von dem Landestrend ab.
Die Auszählung der Erststimmen dauerte zu Redaktionsschluss noch an. Es folgten die Auszählung der Zweitstimmen zur Landtagswahl und anschließend die Auszählung der Stimmen zu den Bürgermeisterwahlen in Ahrensfelde, Wandlitz und Werneuchen beziheungsweise zur Wahl des Ortsbeirates in Prenden.