Der Zufall hat Silke und Heiko Dittrich am Sonntag aufs Kartoffelfeld bei Ruhlsdorf verschlagen. Das Ehepaar aus Roßwein in Sachsen war tags zuvor zu einem Geburtstag in der Region eingeladen – und hat von der Ernte-Aktion des Landwirtschaftsbetriebes Kilian aus Marienwerder/Ruhlsdorf erfahren.
„Als Studentin bin ich Kartoffeln lesen gewesen“, erinnert sich Silke Dittrich. „Es war schrecklich“, fügt sie lachend an. Und jetzt? Jetzt habe es Spaß gemacht, antwortet sie. 16,7 Kilo Kartoffeln der Sorte Karlena haben sie und Ehemann Heiko innerhalb weniger Minuten geerntet. Nach dem Wiegen geht es erneut aufs Feld: Festkochende Kartoffeln sollen ebenfalls mit nach Sachsen.
Bei Peter Menzel aus Ruhlsdorf geht es währenddessen gemächlich zu. Mit seinen Enkelkindern Bruno (6) und Lilly (9) ist er zum Ernten gekommen. Jedes Kind befüllt seinen eigenen Kartoffelsack. Mit den Händen buddeln die Geschwister Knollen aus, kleinere und größere Exemplare kommen zum Vorschein. Weil eine Kartoffelhacke nicht zur Hand war, hat Peter Wenzel eine Grabegabel aufs Feld mitgenommen. Lilly versucht, damit Kartoffeln aus dem Boden zu holen, die eine oder andere spießt sie dabei versehentlich auf. „Kartoffeln müssen aus dem Damm gezogen werden“, erklärt ihr Opa. Geht man auf diese Weise vor, dann werden die Knollen nicht verletzt.

Knapp 1200 Besucher

Nebenan ernten Angelika Tutsche und Siegfried Donath aus Zerpenschleuse Kartoffeln. „Ich bin erstaunt und erfreut, wie viele Leute gekommen sind“, sagt Angelika Tutsche und wirft einen Blick übers Feld. Im vergangenen Jahr hat Familie Kilian zum ersten Mal zur Selbsternte eingeladen. Bereits dieses Jahr hat sich die Zahl der Besucher verdoppelt auf knapp 1200. „Ich finde es schön, dass es so gut angenommen wird“, sagt Sören Kilian. „Wir können zeigen, wie Lebensmittel produziert werden.“
Diesen Aspekt hebt auch Annelie Schlee hervor. Mit Ehemann Thilo und den beiden Kindern Theo (5) und Anna (2) ist sie nach Ruhlsdorf gekommen. Ursprünglich kommt sie aus dem Ort, lebt aber inzwischen mit der Familie in Berlin. In der Region sei sie trotzdem sehr verwurzelt, erklärt sie. Auf dem Feld ernten die Schlees zunächst Kartoffeln der Sorte Vineta. Während sich Theo über große Knollen freut, haben es Anna vor allem die kleinen angetan. „Ich mache es vor allem wegen der Kinder“, sagt Annelie Schlee. „Sie sollen wissen, wo Kartoffeln herkommen und sie sollen wissen, dass dafür gearbeitet werden muss.“

Günstiger als im Supermarkt

Doch nicht nur für die landwirtschaftliche Selbsterfahrung lohnt der Ausflug aufs Feld. Auch finanzielle Gründe sprechen dafür. Sören Kilian rechnet vor: Für einen Kilo konventionell angebauter Kartoffeln erhält er vom Handel 20 Cent. Im Supermarkt wird das Kilo für etwa 80 Cent verkauft. Am Wochenende zahlen Besucher 40 Cent für das Kilo. Es sei für beide Seiten eine Win-Win-Situation, schlussfolgert der 28-Jährige. Seine Überlegung: Vielleicht irgendwann einen eigenen Hofladen zu eröffnen, in dem Produkte aus der Region angeboten werden können.
Doch das ist Zukunftsmusik. Bleiben wir beim Wochenende. Neben dem Selbsternten der vier Kartoffelsorten Laura, Vineta, Afra und Karlena gibt es auch Rodevorführungen. Wer will, kann auf der Erntemaschine mitfahren – eine große Sache, vor allem für die Kleinen.