Der Rücktritt der langjährigen Ausschussvorsitzenden Christine Poppitz (Linke) in der vergangenen Woche traf alle Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung wie ein Paukenschlag. Für die SPD bedauerte Adelheid Reimann den Rückzug der 65-Jährigen aus dem Ausschuss: "Frau Poppitz hat die Sitzungen immer ganz korrekt geleitet", bescheinigte sie der Linken.
In einer Pressemitteilung bedankte sich die CDU-Fraktion bei Christine Poppitz "herzlichst" für die geleistete Arbeit im Ausschuss. "Wir müssen im A4 wieder zusammenfinden, damit die ergebnisorientierte Arbeit in diesem wichtigen Ausschuss für die Bernauerinnen und Bernauer weitergehen kann", erklärte Irina Feldmann, Mitglied des Gremiums.
Bis zuletzt hatte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Dagmar Enkelmann, versucht, Christine Poppitz noch einmal umzustimmen. Vergeblich. Die 65-Jährige hatte die Kritik aus den Reihen ihrer eigenen Partei an ihrem Leitungsstil im Ausschuss als persönlichen Angriff empfunden und die Notbremse gezogen. So war Fraktionschefin Enkelmann untröstlich: "Ich bin sehr traurig", bekannte sie vergangene Woche in der Stadtverordnetenversammlung. Unter dem Beifall ihrer Fraktion erklärte sie: "Christine Poppitz ist eine der aktivsten und erfahrensten Stadtverordneten. Sie ist bekannt und wirklich eine sichere Bank hier in Bernau."
Um Spekulationen in Bezug auf die innerparteilichen Auseinandersetzungen bei den Linken von vornherein einen Riegel vorzuschieben, versicherte Enkelmann schließlich: "Christine Poppitz bleibt weiter Mitglied des Hauptausschusses, des Fraktionsvorstandes und Mitglied des Kreistages Barnim. Darüber bin ich sehr froh".
Noch am selben Abend zog sich die Linke-Fraktion zur Beratung zurück, wie es nun im Ausschuss für Bildung, Jugend, Kultlur, Soziales und Sport, dessen Vorsitz Christine Poppitz seit 2008 inne hatte, weiter gehen soll. Einigen konnte man sich im ersten Anlauf nicht. So kommt die Fraktion heute erneut zusammen. Bislang werden drei Namen als Nachfolger von Christine Poppitz gehandelt: Heidi Scheidt, Sören-Ole Gemski und Dominik Rabe.
Sören-Ole Gemski ist bereits seit 2008 Stadtverordneter für die Linken, im A4 bislang aber nicht Mitglied. Für Diskussionsstoff sorge der studierte Historiker allerdings, als er sich Anfang dieses Jahres für den Ankauf der Jörg-Steinert-Skulpturen durch die Stadt stark machte und den Mitgliedern des Gremiums indirekt bescheinigte, keine Ahnung von Kunst zu haben. Das dürfte ihm - auch in seiner eigenen Fraktion - nicht unbedingt Freunde gemacht haben.
Dominik Rabe wurde im vergangenen Jahr erstmals in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Er ist Mitglied des Ausschusses und hat Interesse bekundet, dessen Leitung zu übernehmen. Allerdings ist der Student erst 22 Jahre alt. So mancher Linke befürchtet, dass dem jungen Bernauer die politische Erfahrung fehlt, einen solch schwierigen Ausschuss wie den A4 leiten zu können.
Das trauen sie eher Heidi Scheidt, einer Lehrerin im Ruhestand, zu, die ebenfalls im vergangenen Jahr erstmals ein Mandat für die Stadtverordnetenversammlung errang. Allerdings hat die Ortsvorsteherin von Birkenhöhe bislang die Nachfolge von Christine Poppitz abgelehnt.