"Es ist ein Elend, was in den Ställen passiert", sagt Klaus-Jürgen Luczak und schüttelt verbittert den Kopf. Gemeinsam mit seiner Frau, Christine Luczak, ist er am Dienstag zum Platz Am Steintor gekommen, um ein Zeichen gegen Massentierhaltung zu setzen. "Die Politik ist Schuld", ist er überzeugt. Mit seiner Kritik stößt er bei Klaus Küppers auf offene Ohren. Mit einem Team von fünf Leuten tourt er fünf Wochen im weißen Omnibus für Direkte Demokratie durch Brandenburg und wirbt für das Volksbegehren gegen Massentierhaltung. 80 000 Unterschriften in sechs Monaten bis zum 14. Januar sind notwendig, damit es als erfolgreich gilt. Die große Hürde: "In Brandenburg dürfen für Volksbegehren keine Unterschriften auf der Straße gesammelt werden", sagt Freya Lintz, die Küppers begleitet.
Stattdessen muss sich jeder einzelne beim Bürgeramt in eine entsprechende Liste eintragen oder kann - ähnlich wie bei Bundes- und Landtagswahlen - eine Briefwahl beantragen. "Jeder, der einer normalen Arbeit nachgeht, kann nicht zu den Öffnungszeiten ins Bürgeramt gehen", wendet Küppers ein. Ein weiteres Problem ist der fehlende Austausch über die Thematik mit den Mitarbeitern im Amt. Auch deswegen fährt Küppers seit 15 Jahren von März bis November mit dem Omnibus durchs Land und wirbt für die direkte Demokratie und sinnvollere Regelungen. "Menschen müssen lernen, dieses Instrument zu nutzen", sagt er.
Der Omnibus bietet einen besonderen Service: Jeder Bürger kann sich vor Ort über das Volksbegehren und die Forderungen des Aktionsbündnisses Agrarwende informieren und einen Antrag auf Briefwahl ausfüllen, den Mitarbeiter der gemeinnützigen GmbH an die Bürgerämter weiterleiten. Was dann noch fehlt: Das Volksbegehren von beiden Seiten auszufüllen und portofrei zurück zu senden.
Es ist ein mühsamer, ein langwieriger Weg. Dennoch geht ihn Freya Lintz voller Überzeugung. Sie persönlich ernährt sich vegetarisch. "Aber es reicht nicht, sich privat für diesen Weg zu entscheiden", sagt sie. "Wir sind ein Teil der Gesellschaft und haben auch eine gesellschaftliche Funktion", fügt sie an und beißt in ihr Käsebrot. Alle Menschen in Brandenburg wären davon betroffen, wenn der Boden durch Gülle verschmutzt und das Grundwasser verseucht sei. Sie hofft darauf, dass das Volksbegehren erfolgreich ist, denn dann muss der Landtag handeln und gegebenenfalls kommt es zum Volksentscheid. "Ein Volksentscheid wäre mir am liebsten", sagt die Studentin, "denn dann entscheiden die Bürger darüber, was für eine Landwirtschaft sie wollen."
Das Interesse der Bernauer an den Gästen ist verhalten. "In Potsdam hatten wir am 1. Oktober unseren ersten Stopp. Dort war die Resonanz super und die Leute haben den Bus gestürmt", so Freya Lintz. In Hennigsdorf hingegen war der Rücklauf verhalten. "Es hängt immer auch davon ab, wie bekannt das Volksbegehren ist", meint sie und sucht erneut das Gespräch mit Passanten.
Weitere Infos und Antrag für die Briefwahl auf www.volksbegehren-massentierhaltung.de