Das Klischee stimmt: Vorwiegend sind es Männer älteren Jahrgangs, die sich für Modellbahnen interessieren. Das Gros der Besucher in der Stadthalle ist im Rentenalter. Ausstellungsleiter René Hampel und sein Vereinskollege Martin Mutz fallen da schon fast auf, denn sie heben den Altersdurchschnitt genauso wie viele kleine Kinder, die mit ihren Eltern oder Großeltern hierher gekommen sind.
"Ich glaube, dass so viele ältere Männer sich für die Modellbahnen begeistern, liegt einfach daran, dass die jetzt Zeit für dieses Hobby haben", vermutet René Hampel. "Vorher hat man mit Kindern, Hausbau und Arbeit doch so viel zu tun, dass für so ein Hobby meist keine Zeit bleibt", sagt er und nennt ein Beispiel. "Bei uns ist ein Mitglied, der konnte 20 Jahre das Hobby nicht betreiben. Jetzt ist er pensioniert und freut sich, dass er endlich Zeit hat und bei uns mitmachen kann."
Hampel ist Mitglied im Modelleisenbahnclub Oranienburg 1964, der die Ausstellung durchführt.
Die 40 Mitglieder teilen sich auf in die zwei Abteilungen Oranienburg und Nauen. Einmal pro Woche treffen sie sich, um gemeinsam an der großen Gemeinschaftsanlage zu bauen. "Jeder hat so seinen Bereich, der ihm besonderen Spaß macht", erklärt Hampel. "Der eine baut an der Landschaft, der andere fertigt aus Holz Nachbauten von Gebäuden nach, der andere interessiert sich mehr für die Loks, wieder ein anderer für die Technik", erklärt Hampel, der Teamleiter für die Lokführer bei der DB Regio ist und schon als Kind vom Eisenbahn-Virus infiziert war.
Zwei bis dreimal im Jahr ist der Verein mit seiner Gemeinschaftsanlage auf Messen unterwegs. Ein 7,5 Tonner-Lkw muss gemietet werden, um die große Platte und die ganze Technik zu transportieren.
Auf die hat besonders Martin Mutz ein Auge. Auch er begeistert sich für die Loks im Taschenformat, seit sein Vater ihm im Alter von vier Jahren die erste Eisenbahn schenkte. Vor allem die Elektronik hat es ihm angetan. Unter der Platte mit den rund 100 Knöpfen, mit der die Züge auf den Schienen so gesteuert werden, dass es wie durch Zauberhand nie zu einem Zusammenstoß kommt, liegen 500 Relais. Damit alles gut funktioniert, muss die Technik ständig überprüft und verbessert werden. Auch Mutz ist bei der Deutschen Bahn angestellt. "Der Modellbau ist ein toller Ausgleich zur Arbeit", erklärt er und lässt die nächste Lok starten.