Wie ihr die Ideen in den Kopf kommen, kann Kathrin Tietz gar nicht genau beschreiben. Meist nachts fliegen ihr die Gedanken zu. "Es ist ein Fluch und ein Segen", lacht die Regisseurin vom Bürgerverein Eiche und sinkt glücklich auf einem Stuhl zusammen. 48 Akteure von drei bis fast 80 Jahren haben am Sonnabend ein ganzes Dorf unterhalten und in den "Märchenzirkus" eingeladen.
Der fleißige Hutmacher, gespielt von der 21-jährigen Giana Tietz im einfallsreichen Kostüm, hat einen überdimensional großen Zylinder aufgestellt. Doch irgendetwas stimmt nicht. Als der Zirkusdirektor alias Lutz Tannigel hineinsteigt und wieder auftaucht, ist sein Lachen verschwunden. Hutmacher und später Frau Holle bemühen sich redlich, sogar die Zahnfee muss anrollen, ein Männerballett gibt alles, Kinder schlagen Rad oder winken mit bunt gefärbten Tüchern. Selbst die Klassiker, ein als Huhn verkleideter Bürgermeister Wilfried Gehrke, der Eier in die Menge wirft, und der Jäger Rainer Fritzsch, der vom Jägermeistertreffen enttäuscht zurückkehrt und mit dem Engel Eierlikör schlürft, helfen nichts. Erst als die Liebe einkehrt und der Direktor sich in eine schöne Sängerin verguckt, wird alles gut.
Sommerstück mit Applaus
Bereits zum elften Mal hat der Bürgerverein Eiche ein eigenes Stück auf die Beine gestellt, zum zweiten Mal im Sommer. Zahlreiche Aktive haben gebastelt und geprobt, Requisiten hergestellt und mitgeschrieben. Erzählerin Jeannette Hübner und viele andere vermochten den mehr als 250 Zuschauern ein einstündiges Programm aus Geschichten, Witzen und Tänzen zu präsentieren, das von spontanen Beifallsstürmen begleitet wird.
Als Überraschung zum Schluss tanzt das Ballett noch als Back Street Boys über den Dorfanger. Da ist selbst Kathrin Tietz echt platt.