Es ist ein beschauliches Dorf am Rande der großen Stadt – doch nun gibt es in Mehrow massive Vorwürfe. Eine Bürgerinitiative hat sich gebildet, man spricht von einem Grundstücks- und Umweltskandal und sogar Ministerpräsident Matthias Platzeck ist eingeschaltet.
Die Geschichte begann vor vielen Jahren. Damals, 1991/1992, errichtete ein Investor eine Eigentumswohnanlage, direkt am kleinen Dorfteich. Eigentlich sollten noch mehr Häuser gebaut werden, doch der Bauträger ging pleite. Das Grundstück, rund 
18 000 Quadratmeter, gehörte nun der Bank. Diese wollte die Fläche (Flur 3, Flurstücke 34/24 bis 34/31) zu Geld machen – zunächst jedoch vergeblich. Im Verkehrswertgutachten von 2003, erstellt vom E.B.I.S. Bau- und Immobiliensachverständigen Ingenieurbüro GmbH Berlin, wird die Nutzung mit „unbebautes Grundstück im Außenbereich“ angegeben. Ein paar Seiten weiter heißt es, das Grundstück ist im Landesentwicklungsplan „nicht als Siedlungsbereich, sondern als Grünfläche vorgesehen“. Kaum verwunderlich also, dass sich lange kein Käufer fand. Den Bodenwert gab der Gutachter mit 
90 000 Euro an.
Das Grundstück liegt viele Jahre brach, nichts passiert. Schließlich kommt es am 28. April 2008 um 
9 Uhr zur Zwangsversteigerung vor dem Amtsgericht Strausberg. Von dem Termin hatte auch ein pfiffiger Mehrower erfahren. Sei es, weil er einen Tipp bekommen hatte, über „Insiderwissen“ verfügte oder eben ein aufmerksamer Leser des „Amtsblattes für Brandenburg“ war. Dort war nämlich die Versteigerung am 
13. Februar 2008 mit Angabe der jeweiligen Flurstücke angekündigt worden. Um welche Flächen es sich dabei wirklich handelte, war für den „Normalbürger“ nicht zu erkennen. Der Mehrower bot mit und machte ein ausgesprochenes Schnäppchen, 45 000 Euro zahlte er für die Fläche. Das sind 
2,50 Euro/Quadratmeter. Was er mit dem Grundstück vorhatte, blieb – zunächst – unklar. Eine Bebauung war jedenfalls nicht möglich, dies schloss die Gemeinde Ahrensfelde noch im Jahr 2009, also auch nach der Versteigerung, aus. Das bestätigte Fachbereichsleiterin Regina Schaaf. Allerdings wies sie auf den Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg hin. Der war im März 2009 in Kraft getreten und sieht die Möglichkeit einer „optionalen Siedlungserweiterung 
(0,5 Hektar auf 1000 Einwohner) auf Außenbereichsflächen“ vor.
Der Käufer stellte schließlich einen Bauantrag, am 7. Juni 2010 wurde die Genehmigung durch das Bauordnungsamt erteilt. Dass das Grundstück im Außenbereich lag, war kein Problem. Es habe einen Anspruch gegeben, da durch das Vorhaben „keine Beeinträchtigung von öffentlichen Belangen im Sinne des § 35 Abs.3 BauGB zu erwarten und die Erschließung gesichert war“, heißt es zur Begründung. Inzwischen steht der Rohbau, direkt am See und auf äußerst billigem Land.
Auf einer weiteren Teilfläche, sie liegt gegenüber der Eigentumswohnanlage, gab es zudem 2009 einen „Kahlschlag“. Ein Bürger zeigte das an, die Untere Naturschutzbehörde (UNB) ermittelte. Es habe sich dabei um die Beseitigung von Gehölzaufwuchs gehandelt, eine Genehmigung sei nicht erforderlich gewesen, so die Behörde.
Für das besagte Grundstück gab es, das bestätigte gestern die Kreisverwaltung Barnim, zwei Bauvoranfragen aus dem Jahr 2008, die jedoch zurückgenommen wurden, „als kein positiver Bescheid in Aussicht gestellt werden konnte“. Aktuelle Verfahren gebe es nicht.
Die Bürgerinitiative, vor wenigen Wochen ins Leben gerufen, will nun „erstmals Transparenz schaffen und Licht in Vorgänge bringen, die allen Bürgern und unserem Dorf schaden.“ Ihr Ziel ist es, dass der Dorferneuerungsplan so umgesetzt wird, wie er geplant, von der Kommune bezahlt und von der Gemeindevertretung bestätigt wurde. Dieser sah den Erhalt von Großbäumen an der Lake und die Wiederherstellung der einstigen Parkanlage vor und kostete rund 
34 000 Euro, davon waren 
24 000 Euro Fördermittel. Einen Flächennutzungsplan (FNP), aus ihnen werden Bebauungspläne entwickelt, gibt es für Mehrow nicht. Ein neuer FNP für die gesamte Gemeinde Ahrensfelde wird in diesen Monaten erarbeitet. „Die Dorfentwicklungsplanung Mehrow wird dabei beachtet“, versicherte Fachbereichsleiterin Regina Schaaf im Rathaus. Das beauftragte Stadtplanungsbüro hat die betreffende Fläche allerdings als „optionale Siedlungserweiterung“ vorgeschlagen.
Einen ersten Erfolg kann die Bürgerinitiative inzwischen verbuchen. Der Ausschuss für Wirtschaft, Bauwesen, Umwelt und Natur folgte am Dienstag einer Empfehlung der Verwaltung. Danach soll der Antrag auf Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens, eingereicht von dem Mehrower „Schnäppchenjäger“, für den Bereich nördlich Zur Lake zurückgestellt werden. Zunächst müsse der Gesamtflächennutzungsplan der Gemeinde Ahrensfelde eine klare Vorgabe festschreiben, hieß es. Endgültig wird die Gemeindevertretung am Montag (19 Uhr, Rathaus) über den Antrag entscheiden.
„Schon die unbestreitbare Tatsache, dass Flächen als Grünland verramscht werden und nun fast über Nacht zu Bauland werden sollen, riecht sehr unangenehm nach Korruption“, so Thomas Wüpper, der Sprecher von „Mehrow21“. Die fragwürdigen Dinge bedürfen dringend der Aufklärung. Dafür werde die Initiative sorgen. Sollte der clevere Mehrower seine Pläne umsetzen können, bedeute dies einen enormen Spekulationsgewinn von mehreren hunderttausend Euro, so wird in Mehrow inzwischen vermutet.
Dass der Käufer nicht zimperlich ist, zeigte er bereits bei der Zufahrtsstraße zur Eigentumswohnanlage. Diese ersteigerte er für 30 Cent je Quadratmeter, von den Anliegern verlange er dann den 400-fachen, später noch den 200-fachen Preis. Nun beschäftigt sich die Justiz mit dem Fall.
Die Bürgerinitiative hat inzwischen eine Homepage geschaltet (www.mehrow21.de), eine Unterschriftenaktion gestartet und rund 150 Flugblätter im Ort verteilt. Ein Brief ging Anfang Januar auch an Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. Darin wird der SPD-Politiker um die Überprüfung der Vorgänge in Mehrow gebeten.