Schmidts, Schmitts oder Schmids gibt es heute noch viele. Doch während der Name die Jahrhunderte überdauerte, führt der Beruf des Schmieds heute nur noch ein Nischendasein. Neue technische Verfahren und Werkstoffe haben ihn an den Rand gedrängt. Dabei war der Beruf früher hoch angesehen. „An einem Schmied sei eigentlich niemand vorbei gekommen, wenn es darum ging, neue Verfahren oder Werkzeuge zu entwickeln“, erzählt Stefan Pohl aus Klosterfelde. Schließlich hätte dieser als einziger gewusst, wie man das harte Material bearbeitet, um zum Beispiel Formen zu gießen.
Der 40-Jährige ist selbst Schmied, hat diesen harten Beruf noch vor dem Wende im VEB Stahl- und Walzwerk in Hennigsdorf von der Pike auf gelernt. Nun ist er einer der letzten, der ihn heute auch noch ausübt. „Schmied oder Kunstschmied nennen sich heute zwar wieder viele“, weiß er zu berichten. Auch wenn der Beruf nicht aussterbe, mit traditionellem Handwerk hätte die Arbeitsweise heute jedoch oft nichts mehr zu tun.
Die fängt nämlich schon mit der Recherche in alten Unterlagen und mit ersten Bleistiftskizzen an. „Man muss sich mit dem Material und der architektonischen Epoche auseinandersetzen, um zu verstehen, wie die Schmiede früher arbeiteten und was sie sich dabei dachten“, erzählt Pohl weiter. Erst dann sei man auch in der Lage, eine qualitativ hochwertige Arbeit abzuliefern.
Was Pohl damit meint, wird klar, als er einige Bilder einer restaurierten Zaunanlage der evangelischen St. Gotthardt und Christuskirchengemeinde aus Brandenburg an der Havel zeigt. Die zierlichen Rokoko-Stilelementen hätten über 200 Jahre gehalten, berichtet er. Nun, nachdem sie durch neue ersetzt wurden, wird der Zaun eine eben solch lange Zeit überstehen.
Die zarten Eichenblätter für diesen Zaun hat Pohl in der Werkstatt gleich hinter seinem Wohnhaus in Klosterfelde gefertigt. Dort, wo früher einmal eine kleine Kammfabrik stand und später winzige Wohnungen vermietet wurden, steht heute der Amboss des Meisters.
Mit fast sanften Schlägen bringt der große, schlanke Mann mit den kräftigen Armen gerade eine Rose in Form. Immer wieder muss das Eisen ins Feuer. Solange, bis es die richtige Temperatur hat. Wann die erreicht ist, kann Pohl an der Farbe sehen. Um so weißer das Metall glüht, umso heißer ist es. Rot glühend spritzen dann wieder Funken, wenn Pohl zum Hammer greift. „Für meine Geliebte“, sagt er schmunzelnd und meint damit seine Frau Katrin, mit der er bereits seit einigen Jahren verheiratet ist, zwei Söhne hat und mit der er 2005 entschied, sich in Klosterfelde niederzulassen und selbstständig zu machen.
Nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit, in der Stefan Pohl wegen Operationen an beiden Handgelenken zum Nichtstun verdammt war, ein mutiger Schritt. Doch mittlerweile hat sich seine Arbeit herumgesprochen. Aus halb Deutschland gibt es Anfragen. In Thüringen etwa ist er oft unterwegs. Auch in Berlin wird seine Arbeit an Stadthäusern – etwa an Balkonen – geschätzt. Am Gendarmenmarkt und am Olympiastadion arbeitete er ebenfalls schon. Im Barnim indes gibt es für den Familienvater bislang eher weniger zu tun.
„Die Menschen, die hier leben, müssen sich wieder auf ihre Ursprünge besinnen. Es geht nicht nur um ein Haus im Grünen, sondern um die Identifikation“, ist er sich sicher. Dann sei man auch bereit, Altes zu bewahren, Neues zu schaffen und beides miteinander zu verbinden. „Es fehlt an Kreativität und Individualismus“, sagt er.
Um das zu fördern, will Stefan Pohl künftig ein Netzwerk von Handwerkern im Barnim aufbauen – egal ob mit Glasern, Tischlern oder eben Schmieden. Mit ihnen will er dann an neuen Ideen arbeiten. Ob dabei etwas Praktisches oder doch Kunst herauskommt, ist offen. „Neue Bilder schaffen“ nennt Stefan Pohl sein Vorhaben – und bewegt sich damit ganz in der Tradition der alten Schmiede.