Zu sehen sind einerseits abstrakte Farbspiele und andererseits Porträts. "Alle große Malerei bedarf der gesteigerten Abstraktion der Farbe, des Lichtes und des Raumes", sagte Liebl einmal. Viele Jahre malte er nach eigenem Bekunden "ungegenständlich", dominierten bei ihm "viereckige Flächen" und gelegentlich versuchte er auch Porträts und Figuren. "Allmählich reifte der Wunsch heran, beide Ansätze in einem Bild zueinanderzubringen. Die bis heute anhaltende Suche nach einer Verbindung zwischen der Darstellung des Menschen und der Abstraktion hatte begonnen." Besonders wichtig war dem Maler dabei seine Liebe zur russischen Ikonenmalerei, in der abstrakte und konkrete Bildteile eine gelöste Gemeinschaft eingegangen sind und in der er verwirklicht sieht, "was unserer Zeit, die Gott aus allem zu verdrängen sucht, abgeht."
So sind Liebls farbenprächtige Bilder eine Synthese aus Mitteln der Moderne und Gestaltungsmitteln der Ikonenmalerei. Die Frauenporträts, die jetzt in der Galerie im Hühnerstall hängen, zeigen dies im besonderen Maße. "Gemalte Metaphern von Menschlichkeit", nennt sie Wilfried Staufenbiel. "Die Gesichter blicken an uns vorbei - nach innen und nach außen".
Der "Erfinder" der Galerie im Hühnerstall, Leiter des Galeriechores Schönow, gestaltet die Vernissage zur Liebl-Ausstellung musikalisch mit einem Liederabend. Unter dem Titel "Im wunderschönen Monat Mai" bringt er, begleitet am Klavier von Marie Krafft, unter anderem Lieder von Robert Schumann, Hanns Eisler und Hermann Keller zu Gehör. Staufenbiels Bariton und die Auswahl der Stücke passt wunderbar zur Stimmung an diesem freundlichen, lauen Mai-Abend - und zu den Gemälden von Peter Liebl.