Ihre Prognose ging auf: "Wir werden in vielen Fällen die gleichen Themenschwerpunkte setzen", sagte eine Kandidatin zum Auftakt des MOZ-Wahlforums in Wandlitz und fügte hinzu: Bei den Lösungsvorschlägen aber werden die Unterschiede zu finden sein.
Am 1. September findet in der Gemeinde Wandlitz die Bürgermeisterwahl statt. Am Donnerstagabend stellten sich auf einem MOZ-Forum fünf der sechs Kandidaten für dieses Amt den Fragen der Bürger und von Moderatorin Sabine Rakitin, Leiterin der Bernauer Lokalredaktion. Vor allem das Angebot von Kita- und Schulplätzen, Verkehrsfragen und der Wohnungsbau genossen in der zweieinhalbstündigen Veranstaltung Priorität. Rund 250 Besucher in der Wandlitzer Kulturbühne "Goldener Löwe" erlebten spannende Kontroversen, teilweise auch Übereinstimmungen verschiedener Kandidaten, wenn es um Vorhaben wie einen Schwimmbadbau oder um den Vandalismus auf der Seepromenade und die Jugendarbeit ging.
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Ja, sie habe lange über ihre Kandidatur nachgedacht, räumte Gabriele Bohnebuck bei der Kandidatenvorstellung (in alphabetischer Reihenfolge) ein. Sie kandidiert für die Listenvereinigung Linke/Bündnis 90/Die Grünen/Unabhängige Wählergemeinschaft "Mit den Bürgern – Für die Bürger!" (UWG). Doch da sie von vielen Seiten Unterstützung und Zuspruch erhalten habe, trete sie an, "weil mir viele Sachen in der Kommunalpolitik gegen den Strich laufen". Oliver Borchert (Freie Bürgergemeinschaft Wandlitz) nannte "massive Probleme" in Kitas, Schulen und Verkehr. Bisher sei "zu lange zu wenig vorausgedacht worden", Auswirkungen seien in allen Wandlitzer Ortsteilen zu sehen. Norbert Bury (Alternative für Deutschland) begründete seine Kandidatur mit den "Optimierungsmöglichkeiten" im Wandlitzer Rathaus sowie den "eklatanten Demokratie- und Rechtsstaatsproblemen", die er vor allem beim Niederbarnimer Wasser- und Abwasserverband feststellt. Amtsinhaberin Jana Radant verbucht als "größten Erfolg" die Entwicklung eines Leitbildes für die gesamte Gemeinde. Eine "Niederlage" habe sie als Bürgermeisterin "vielleicht gar nicht gehabt", wenngleich es Dinge gebe – wie das Bauvorhaben Basdorfer Gärten –, bei denen "nachzusteuern" sei. Der Gedanke des sozialen Wohnungsbaus sei jedoch nicht aufgegeben, sagte sie vor dem Hintergrund der Debatten in den zurückliegenden Wochen. Klaus Siebertz, der für die CDU kandidiert, wies die Kritik seines früheren Parteikollegen Bury zurück. Allein die Zahl der Besucher im Saal zeige, dass Wandlitz kein Demokratieproblem habe. Für ihn stehe an erster Stelle, wie mit dem Zuzug umzugehen, die  Verkehrs-, Kita- und Schulentwicklung zu steuern seien. Mario Schlauß (Die Partei) nutzte die Chance, sich zusammen mit den anderen Kandidaten den Bürgern vorzustellen, nicht. Er begründete dies mit der MOZ-Berichterstattung und einem anderen Termin an diesem Abend.
Die Kita-Situation in der Gemeinde wird von den Kandidaten sehr unterschiedlich diskutiert. Während Klaus Siebertz und Oliver Borchert kritisierten, dass auf zwei Kita-Plätze 70 Bewerbungen kommen, verwies Jana Radant darauf, dass im laufenden Jahr jedes Krippen- und Kitakind mit einem Platz versorgt worden sei. Die Schulsituation scheint den Wandlitzer Bürgern noch mehr unter den Nägeln zu brennen. Unter den Besuchern fragte beispielsweise Anita Berg aus Schönwalde nach den konkreten Plänen der Kandidaten und der finanziellen Realisierbarkeit der Vorhaben. Zwei Grundschulneubauten in überschaubarer Größe vor allem in Schönwalde, dann auch vielleicht in Stolzenhagen stehen zur Debatte. Große Differenzen gab es nicht. Beschlossen ist ein Gesamtschulneubau, hinter dem alle Kandidaten, auch Klaus Siebertz von der CDU, stehen. Ihnen geht es nun darum, den Bedarf für diesen zusätzlichen Schultyp beim Kreis geltend zu machen und um eine Streckung der Finanzierung.
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Kontroverser ging es beim Thema Bauen zu. Die Chancen, die der neue Landesentwicklungsplan Investoren eröffnet, sieht Norbert Bury äußerst kritisch und warnt: "Wir werden demnächst richtig Druck bekommen." Dagegen erkennt Gabriele Bohnebuck, dass Wandlitz gerade mit der neuen Landesplanung seinerseits Druck aufbauen kann, um die Infrastruktur auszubauen. Zudem tritt sie für die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft mit eigenen Bauaktivitäten ein. Oliver Borchert und Klaus Siebertz halten fest, dass die Gemeindevertretung und nicht der Landesentwicklungsplan über Investorenpläne entscheidet. Jana Radant verwies auf den Flächennutzungsplan und hielt fest: Ohne den neuen Landesplan wäre beispielsweise für Klosterfelde der 30-Minutentakt nicht in Aussicht gestellt worden.
Dass Jugendliche bei der Planung und Pflege eines Klubs einzubeziehen seien forderte Kathrin Budde aus Wandlitz. Da ein Treff in Wandlitz realisiert wird, sprachen sich Oliver Borchert und Gabriele Bohnebuck für die Ausweitung der Aktivitäten auf die Ortsteile aus, Klaus Siebertz tritt für ein "Gesamtpaket" ein. Jana Radant erinnerte an die Kinder- und Jugendkonferenz und würde sich wünschen, dass sich auch Eltern und weitere Bürger beteiligen.
Und soll Wandlitz nun ein Schwimmbad allein bauen und finanzieren? Dass ein Bad eine schöne Sache wäre, stellte niemand in Frage. Doch noch läuft die Prüfung – auch der Finanzierung –, von der die Zustimmung abhängig gemacht wird.