Nach fünf Jahren Vorbereitung ist es soweit: Das Bernauer Mühlentor kann errichtet werden. Die Fördermittel sind bewilligt, der Eigenanteil des "Vereins zum Wiederaufbau des Mühlentores" liegt bereit. Baustart ist voraussichtlich im Juni.
Knapp 429000 Euro soll der Wiederaufbau des Mühlentores kosten. Rund 365000 Euro Fördermittel kommen aus dem Programm "Interreg IV A" der Kommunalgemeinschaft Pomerania. Sie wurden bereits im Februar von der zuständigen Kommission bewilligt. Möglich wurde die Förderung, weil sich der Mühlentor-Verein unter dem Motto "Tore, die verbinden" mit der Stadt Stargard einen polnischen Partner ins Boot geholt hat und die Stadt Bernau als Fördermittelempfänger fungiert. Vorbereitung, Bauantrag und Baudurchführung wurden beziehungsweise werden aber vom Verein bewerkstelligt.
Am Mittwoch stellte Vereinsvorsitzender Manfred Hübler den Mitgliedern des Bernauer Stadtentwicklungsausschusses die Ausführungsplanung vor. Die Vorgabe der Denkmalpfleger, es müsse erkennbar sein, dass das Mühlentor zwar nach historischem Vorbild errichtet, dennoch aber ein Neubau sei, habe zu langen Diskussionen innerhalb des Vereins geführt, sagte er. Das alte Mühlentor stand auf einem Sockel aus unregelmäßig beschlagenen Feldsteinen. Bogen und Ecken hingegen waren aus Ziegelmauerwerk, das Dach mit Tondachziegeln gedeckt. Die Seitentore wiederum bestanden aus Feldsteinmauerwerk, so wie die Bernauer Stadtmauer.
"Diese historischen Materialien werden modern interpretiert und unter heutigen Gesichtspunkten eingesetzt", erläuterte Manfred Hübler am Mittwochabend. Das neue Mühlentor soll aus homogenem Ziegelmauerwerk mit einem zirka 40 Zentimeter hohen Sockel aus in Beton eingegossenem gebrochenen Granit bestehen. Das Dach wird wie beim historischem Vorbild mit so genannten Biberschwänzen gedeckt.
In den vergangenen Jahren verkaufte der Verein bereits symbolische Steine, um den Aufbau des Mühlentores zu finanzieren. Die ersten 500 kosteten 100 Euro, die zweiten 500 dann 50 Euro je Stück. Diese nummerierten Spendersteine sollen nun in den Seitenwänden - unregelmäßig eingebunden - einen Platz finden, "damit die Spender mit ihren Enkeln zum Mühlentor gehen und ihnen zeigen können, dass sie zu dessen Wiederaufbau beigetragen haben", sagte Hübler vor dem Ausschuss. In der Nachbarschaft des Tores werden schließlich Stelen als Gabionen mit gebrochenen Granit postiert - "als neue Interpretation der Stadtmauer", erklärte er.
Das Mühlentor wird seinen Platz in der Mühlenstraße in Höhe des Abzweiges zum Henkerhaus erhalten. Um auch Lkw die Durchfahrt zu ermöglichen, wird die Öffnung drei Meter breit und 3,45 Meter hoch sein. Auf entsprechende Nachfragen der Stadtverordneten plädierte Vereinschef Hübler für eine Verkehrsänderung in der Mühlenstraße. Es wäre natürlich von Vorteil, wenn die Einbahnstraßenregelung in der Mühlenstraße umgedreht würde, der Verkehr also durch das Tor in die Innenstadt und nicht wie bisher aus der Stadt führen könnte, sagte er. Das hätte den Vorteil, dass der Knotenpunkt "Europa-Kreuzung" entschärft würde. Aber dies sei lediglich eine Idee. Konkrete Maßnahmen wurden noch nicht ergriffen.