„Heute bin ich glücklich“, sagt Frank Göritz am Freitagabend kurz vor Beginn des ersten Konzertes im Bernauer Stadtpark. „Endlich können wir wieder loslegen“. Ein halbes Jahr war seine public-Agentur durch die Corona-Pandemie „auf Eis gelegt“. Das traditionelle Siebenklang-Festival im Frühjahr – sieben Konzerte an sieben außergewöhnlichen Orten – konnte ebenso wenig stattfinden wie „Inselleuchten“ in Marienwerder im Juli. Letzteres wurde komplett auf den Sommer 2021 verschoben, einzelne Siebenklang-Konzerte in diesen Herbst und ins kommende Jahr.

Covid-19 gibt die Regeln vor

„Das tut gut“, sagt Frank Göritz, als er am Freitag auf der Bühne steht und die etwa 500 Besucher zu diesem ersten Konzert begrüßt. Er ist dankbar für die Unterstützung der Stadt Bernau, die nicht nur den Park für das dreitägige Openair, sondern auch eine große Leinwand zur Verfügung stellte. Bedingt durch Abstandsregeln und Hygienevorschriften sitzen die Besucher jeweils in Zweiergruppen weit verstreut auf der großen Wiese vor dem Stadtgärtnerhaus. Da tut eine Leinwand, auf der die Musiker im Großformat zu sehen sind, gute Dienste.
Danke sagt Göritz auch allen, die mit finanziellen Zuwendungen dieses Musikevent möglich machten. „Es hat kein einziger Sponsor einen Rückzieher gemacht. Alle sind bei der Stange geblieben“, freut er sich. Die Namen der Firmen, Privatspender und Verbände werden mehrmals an diesem Abend auf der Leinwand eingeblendet.

Teresa Bergman & Band machen den Anfang

Das Intro, das Teresa Bergman und ihre Band (Bassist Tobias Kabiersch, Schlagzeuger Pier Ciaccio und Pianist Matt Paull) ankündigt, klingt fast wehmütig. Dabei ist die Neuseeländerin, wie sich in den darauffolgenden 90 Minuten erweisen wird, geradezu ein Bündel an Energie und Temperament. Mit ihrer kraftvollen Stimme, überraschenden Kompositionen und Texten, die oftmals aus Alltagsbegebenheiten entstanden sind, zieht sie die Zuhörer in ihren Bann.
„Es ist so schön, hier zu sein. Wir sind unheimlich dankbar für jede Chance, machen zu können, was wir machen“, sagt sie. Eine ihrer Erfahrungen während der Corona-Zwangspause: „Singen ist gut für die Seele. Daran glaube ich ganz fest“. Sie zeichnet einen weiten Kreis mit den Armen und bekennt: „Das hier hat mir ungeheuer gefehlt in den ganzen Monaten. Es ist ja nicht nur der Auftritt, sondern man bekommt auch ganz viel zurück“. Am Ende des Konzerts wird Teresa Bergman barmen: „Ich will hier bleiben“ und feststellen: „Das ist eine schöne Seifenblase – hier gibt’s kein Corona!“

WellBad reißt die Bernauer vom Hocker

Weniger euphorisch, aber nicht minder glücklich sind im Anschluss die fünf Männer von WellBad aus Hamburg, auf der Bühne im Bernauer Stadtpark zu stehen. „Es ist ein sehr schönes Gefühl, dass wir hier spielen dürfen“, sagt Frontmann Daniel Welbat. „Danke an die, die das ermöglicht haben.“ Es folgt ein Feuerwerk an Rock und Blues, das seinesgleichen sucht. Welbats Stimme erinnert an die von Tom Waits. Dabei ist er mit 31 Jahren noch nicht mal halb so alt wie der US-amerikanische Sänger und kann unmöglich sein bisheriges Leben in rauchigen Kneipen verbracht haben, wie das Timbre seiner Stimme vermuten lässt. Jedenfalls reißen WellBad und ihr Frontmann die Bernauer sprichwörtlich vom Hocker und tatsächlich von den Sitzen. Gelungener kann kein Musikfestival beginnen.