Nicht nur bei den Feuerwehren in Wandlitz sitzt der Schock tief, seitdem klar ist, dass jemand aus den eigenen Reihen seit Ende 2018 mindestens 21 Brände gelegt haben soll. Auch im restlichen Barnim ist die Bestürzung groß, zumal noch ein weiterer Feuerwehrmann als dringend tatverdächtig gilt, für die zweite Brandserie im Raum Bernau verantwortlich zu sein.
„Das ist das Schlimmste, was passieren kann. Es trifft alle Feuerwehren“, sagt Kreisbrandmeister Silvio Salvat-Berg. Eigentlich seien die Feuerwehr-Kräfte die Menschen, die anderen Bürgern helfen, die Leib und Leben dafür riskieren. Dass nun Täter aus dem eigenen Lager kommen, sei „traurig und schlimm“. Und es zeige: „Keiner ist vor schwarzen Schafen gefeit, auch nicht wir.“

22-Jähriger gesteht Brandstiftungen

Salvat-Berg, der seit elf Jahren im Amt ist, stellte sich zugleich vor alle Barnimer Feuerwehr-Kräfte: „Weil ein oder zwei aus der Reihe tanzen, heißt es nicht, dass die 1800 anderen genauso sind. Ich setze mich für alle ein“, so der Kreisbrandmeister.
Die Polizeiinspektion Barnim hatte am Montag bei einer Pressekonferenz über die beiden tatverdächtigen Feuerwehrleute berichtet. Der eine ist 22, stammt aus Klosterfelde und soll 21 Brandstiftungen im Gemeindegebiet Wandlitz eingeräumt haben. Der andere, ein 20-jähriger vom Löschzug Ladeburg-Lobetal, dem mehrere Brände im Bernauer Raum zugeordnet werden, streitet die Taten dagegen bislang ab.

Bernauer Wehrführung hält Kameraden noch für unschuldig

In der Bernauer Feuerwehr sind wegen der Meldungen „alle Kameraden erschüttert“, sagt Ronny Lendzian. Der stellvertretende Stadtwehrführer betont allerdings, aus Sicht der Wehrführung gelte der tatverdächtige 20-Jährige noch als unschuldig. Erstmal müsste es Beweise geben. Sollten sich die Brandstiftungen allerdings bewahrheiten, „muss er von der Feuerwehr ausgeschlossen werden“, so Lendzian.
Das Phänomen, dass Feuerwehrkräfte selbst Brände legen, ist nicht neu.  In Brandenburg hat es in den vergangenen Jahren schon mehrere solcher Fälle gegeben. Laut der Berliner Psychologin Rebecca Bondü spielt dabei das Geltungsbedürfnis eine große Rolle. „Diese Täter wollen sich hervortun, Bewunderung erhalten“, sagte sie vergangenes Jahr in einem Interview dem „Spiegel“. Das Löschen eines Brandes sei auch ein Gemeinschaftserlebnis, das den Zusammenhalt der Gruppe stärke.

Feuerwehrmann meldet Feuer selbst

Letzteres könnte auf den tatverdächtigen Klosterfelder zutreffen, dem die zahlreichen Brände im Raum Wandlitz zugeordnet werden. Er sei laut Jens Starigk, dem Leiter der Polizeiinspektion Barnim, zum Großteil bei den Löscharbeiten dabei gewesen. Zuvor habe er die Feuer selbst telefonisch gemeldet, wenn sie nicht schnell genug entdeckt worden sind.