Hartmut Ginnow-Merkert von der Initiative "Unser Finowkanal" ist mit Herzblut dabei. "Wenn das jetzt nicht klappt, dann können wir den Finowkanal endgültig vergessen", sagt er. "Klappen" soll die Übernahme der historischen Wasserstraße durch die Kommunen der Region. Der Bund will sie - wie auch andere Wasserstraßen, für die er die Verantwortung trägt - loswerden.
"Der Bund meint es wirklich ernst", unterstützt Volkmar Ritter von der KAG Finowkanal seinen Vorredner. 50 Prozent der Kosten für die Sanierung der Schleusen würde der Bund übernehmen, "wenn es in Richtung Abgabe geht", sagt er. Nach einer Schätzung koste die Sanierung der Schleusen rund 30 Millionen Euro. Das hieße, der Bund übernähme 15 Millionen Euro. "Land, Kreis und Kommunen müssten die anderen 15 Millionen Euro aufbringen", rechnet Ritter vor. Und dann sei da ja noch die Ablösesumme, die Berlin versprochen habe. Zurzeit werde gerade gerechnet, was Betreibung und Unterhalt des Finowkanals für 100 Jahre kosten würden. Auf dieser Grundlage wolle der Bund eine Summe x vorschlagen. Ursprünglich sollte das bereits im August passieren. Jetzt ist der September avisiert worden. "Sie konnten sich in Berlin nicht einigen. Warum nicht, weiß keiner. Das ist "top secret", sagt der KAG-Geschäftsstellenleiter.
Auf jeden Fall wünschen sich Ritter und Ginnow-Merkert, dass auch Brandenburgs Landesregierung mehr Verantwortung für den Finowkanal übernimmt. Immer noch seien vier Ministerien (Wirtschaft, Infrastruktur, Umwelt und Bildung/Sport) für den Finowkanal zuständig. "Das ist für die Akteure vor Ort zwar nicht unendliches Leid, aber schwierig", sagt Volkmar Ritter. "Und der Bund nutzt das. Wir finden ja nicht einmal einen Ansprechpartner in Brandenburg, heißt es in Berlin."
An dieser Stelle greift Klaus Ness ein: "Man sollte aufpassen, dass man nicht in die Falle tappt, die der Bund aufgestellt hat", warnt er. Ausgangspunkt sei doch, dass sich der Bund "aus der verkehrstechnischen Entwicklung im Osten gänzlich zurück zieht", obwohl die Wasserstraßen dessen Eigentum sind und er damit in der Pflicht stehe. "Wenn er den Finowkanal abgeben will, dann nur, wenn er auch 100 Prozent der notwendigen Sanierungskosten übernimmt", sagt Ness. "Mit dieser Zielsetzung würde ich in Verhandlungen gehen", betont er und vergleicht: "Wenn das Land beispielsweise eine Straße an eine Kommune abgeben will, dann muss es diese zuvor auch zu 100 Prozent sanieren."
Ob denn alle Kommunen der Region bei einer Übernahme des Finowkanals mitziehen würden, fragt Ness sodann. Für die KAG, deren Mitglieder Kommunen aus Barnim, Oberhavel und Hohensaaten (Märkisch-Oderland) sind, bejaht Volkmar Ritter die Frage. "Und wenn die Ablösesumme des Bundes so gering oder grottenschlecht ist, dass man nur darüber lachen kann, wird das keine Kommune in der Region machen", ist er sich sicher. Britta Müller indes sieht die Gefahr, "dass Kommunen nicht mitmachen". Von Joachimsthal wisse sie es bereits, sagt die Landtagsabgeordnete. Klaus Ness warnt noch einmal: "Man muss das mit kühlem Verstand durchrechnen."