Die kleine Mila muss sich ab diesem Sommer alleine auf den Schulweg machen. Ihr Bruder Tom besucht die vierte Klasse der Wandlitzer Grundschule, Mila hingegen muss nach der neuen Regelung nach Klosterfelde. Ihre Eltern Dan und Susanne Fischer sind darüber verärgert. "Wir sind damals nach Stolzenhagen gezogen mit der Aussicht, dass unsere Kinder die Grundschule Wandlitz direkt in der Nähe haben", berichtet Dan Fischer. Doch bei Milas Einschulung bekamen die Fischers den Bescheid, dass sie künftig in den Schulbezirk Klosterfelde fallen.
Fischers stellten einen Antrag beim staatlichen Schulamt auf Zuweisung für Mila nach Wandlitz. "Das haben wir nicht gemacht, weil uns die Klosterfelder Grundschule nicht gefällt", betont Susanne Fischer, "sondern weil es mit unseren Arbeitszeiten nicht hinkommt. Wir schaffen es nicht, Mila morgens nach Klosterfelde zu fahren." Und den etwa fünf Kilometer weiten Schulweg mit dem Bus ganz alleine zu bewältigen, das wollen die Fischers ihrer Tochter nicht zumuten. "Tom muss um 8 Uhr in Wandlitz sein. Mila hingegen müsste mit dem Bus hier um 6.40 Uhr losfahren, um pünktlich in der Schule zu sein", macht Susanne Fischer die Situation für die Sechsjährige deutlich.
Die Fischers bekamen auf ihren Antrag eine Absage. "Die haben uns mitgeteilt, dass die Kapazitäten der Schule nicht ausreichen", erklärt Susanne Fischer.
Was die Stolzenhagener aber besonders ärgert, ist, dass andere Eltern in der gleichen Situation einen illegalen Weg einschlagen, um ihre Kinder doch noch in der bevorzugten Grundschule unterzubringen. "Die melden sich einfach um, geben als Wohnort Wandlitz an, bei den Großeltern oder bei Freunden, obwohl sie immer noch in Stolzenhagen wohnen und bekommen damit den Platz. Das ist einfach nur unfair gegenüber denen, die es auf ehrliche Weise versuchen und die vielleicht wichtigere Gründe haben", finden die Fischers.
In der Gemeindeverwaltung ist das Problem bekannt. "Die Gemeinde hat damals die Möglichkeit genutzt, die Schulbezirke festzulegen. Schließlich gibt es eine gute Anbindung nach Klosterfelde und wir haben in dem Standort eine Menge investiert", verteidigt Bürgermeister Udo Tiepelmann die Regelung. "Vor einer Woche hat mich das staatliche Schulamt bereits darauf aufmerksam gemacht, dass es offensichtlich Fälle von Meldebetrug gibt." Dagegen will der Bürgermeister jetzt vorgehen. "Die Eltern müssen damit rechnen, eine Geldbuße auferlegt zu bekommen, schließlich ist es illegal, was sie tun. Und wenn wir entdecken, das es Vermieter gibt, die falsche Bescheinigungen ausstellen, werden auch die zur Rechenschaft gezogen", kündigt Tiepelmann an.
"Wir haben Kenntnis bekommen, dass es Missbrauchsfälle gibt", erklärt Bärbel Röseler vom Staatlichen Schulamt. "Natürlich wird man auch aufmerksam, wenn man einen Antrag ablehnt und drei Wochen später ein Umzug erfolgt." Eingreifen müsse in solchen Fällen jedoch die Gemeinde.
Zwingende Gründe für einen Gastschulantrag sei übrigens nicht ein Geschwisterkind, das die andere Schule bereits besucht. "Eher ein erhöhter Betreuungsaufwand, zum Beispiel durch extrem ungünstige Arbeitszeiten der Eltern, wenn ein Kind eine Grundschule mit besonderem Profil besuchen soll oder die Entfernung unzumutbar ist", erklärt Bärbel Röseler.
Der Stolzenhagener Ortsbürgermeister Falk Hennersdorf hat jedoch Verständnis für die Eltern in seinem Ort. "Es ist Tradition, dass unsere Kinder nach Wandlitz zur Grundschule gehen. Damals haben wir einer Zuweisung nach Klosterfelde eigentlich nur zugestimmt, weil in Wandlitz die Grundschule zugemacht werden sollte und alle Kinder nach Klosterfelde sollten. Jetzt wird in Wandlitz eine neue Schule gebaut, unsere Kinder sollen aber trotzdem nach Klosterfelde. Ich fühle mich da ehrlich gesagt auch etwas ausgetrickst", gibt er zu.