Seit dem 4. Mai wird am Oberstufenzentrum in Bernau-Waldfrieden wieder unterrichtet – am Beruflichen Gymnasium jahrgangsweise und im wöchentlichen Wechsel. Auch die Berufsschüler, die in der Abteilung 1 unter anderem zu Kaufleuten in verschiedenen Bereichen sowie zu Verkäufern, Medizinischen und Zahnmedizinischen Fachangestellten, Fachpraktikern im Lagerbereich und Verwaltungsfachangestellten ausgebildet werden, erhalten Unterricht in kleinen Gruppen von je fünf jungen Frauen und Männern. Mehr können in den Unterrichtsräumen unter Corona-Bedingungen nicht untergebracht werden, wenn die Abstandsregeln eingehalten werden sollen.
Nichtsdestotrotz ist das OSZ I vom Schulverwaltungsamt des Landkreises aufgefordert worden, zwei Häuser zu räumen – zu Gunsten des benachbarten Barnim Gymnasiums, das aufgrund des Schülerandrangs aus allen Nähten platzt. Unter Bernauer Stadtverordneten und Abgeordneten des Kreistages verbreitete sich die Kunde von den räumlichen Einschränkungen für das Oberstufenzentrum wie ein Lauffeuer. Sie sehen einen Zusammenhang mit den Plänen des Schulverwaltungsamtes, die Abteilungen 1 und 2 aus Bernau abzuziehen und dem OSZ II Barnim in Eberswalde zuzuschlagen. Dessen Bezeichnung soll dann in "Oberstufenzentrum Barnim" geändert werden. Am Standort Bernau verbliebe lediglich das Berufliche Gymnasium, "ergänzt um ein allgemeinbildendes Angebot" ( wir berichteten).
So sieht es eine Beschlussvorlage des Landratsamtes vor, die zunächst in der Juni-Sitzung vom Kreistag beschlossen werden sollte, wegen der Corona-Krise aber in den Fachausschüssen nicht behandelt werden konnte und deshalb auf den September-Kreistag verschoben wurde. Proteste gegen das Vorhaben hagelte es dennoch – vor allem aus dem südlichen Barnim. Bernau beispielsweise fürchtet um die Bildungsvielfalt in der Stadt. Das Kalkül der Kreisverwaltung, dass die Berufsschüler aus dem Randberliner Bereich nach Eberswalde fahren würden, gehe nicht auf, sind sich Stadtverordnete aus allen Fraktionen einig.

Beide Standorte profilieren

Péter Vida (BVB/Freie Wähler), Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, Mitglied des Kreisages und des Landtages, verweist auf den hohen Bevölkerungsanteil im südlichen Barnim. Schon allein von daher, aber auch fachlich und pädagogisch mache eine Konzentration des OSZ in Eberswalde keinen Sinn, ist er überzeugt. Er plädiert vielmehr für eine "Profilbildung der Oberstufenzentren an beiden Standorten – Bernau und Eberswalde".
Die bisherige Vorgehensweise der Kreisverwaltung bezeichnet Vida als "Täuschungsmanöver". Und er frage sich auch, welche Rolle das Staatliche Schulamt dabei spiele. "Ich habe immer große Probleme, wenn Bildungsstandorte der politischen Profilierung dienen", bemerkt er vielsagend. Für den Bernauer steht jedenfalls fest: "Die Auflösung des Oberstufenzentrums in Bernau muss verhindert werden." Er setze da ganz auf den Kreistag.