So schnell mahlen die Verwaltungsmühlen im Barnimer Landratsamt gewöhnlich nicht. Schon gar nicht, wenn es um Personalangelegenheiten geht. In diesem Falle aber war alles anders. Am 18. Dezember 2014 erschien die Stellenausausschreibung des Landkreises Barnim in der MOZ. Das Dezernat II, Grundsicherungsamt, wolle eine Stelle als "Sachbearbeiter/in Kontaktstelle Asyl" - vorerst befristet auf zwei Jahre, mit der Option der unbefristeten Beschäftigung - schnellstmöglich besetzen, hieß es in der Anzeige. Bis zum 30. Dezember sollten Interessenten ihre Bewerbungsunterlagen einreichen. Vier Wochen später waren alle Messen gesungen. Am 2. Februar trat die neue "Sachbearbeiterin" der "Kontaktstelle Asyl" ihren Dienst in der Kreisverwaltung Barnim an: Petra Bierwirth (SPD), ehemalige Landtags- und Bundestagabgeordnete und bis April 2013 Geschäftsführerin der Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg.
Erst am Mittwoch dieser Woche hatte Landrat Bodo Ihrke (SPD) den Kreistag darüber informiert, dass die Kreisverwaltung eine Kontaktstelle Asyl einrichte, um die Abstimmung zwischen den Verantwortlichen bei der Unterbringung von Flüchtlingen "noch besser begleiten" zu können. Außerdem werde sie "nicht nur der Mittelsmann zwischen den Behörden sein, sondern auch zu den Willkommenskulturen und den Betroffenen", kündigte er an. Dass "der Mittelsmann" eine Frau ist und Petra Bierwirth heißt, erwähnte Ihrke mit keinem Wort. Er ahnte wohl, dass die Entscheidung, die zur letzten Kommunalwahl nicht wiedergewählte SPD-Kreistagsfraktionschefin im Landratsamt in Lohn und Brot zu bringen, bei so manchem einen faden Beigeschmack hervorrufen könnte.
Während Barnims Sozialdezernentin Sylvia Ulonska beteuert: "Die Stelle war ordentlich ausgeschrieben. Petra Bierwirth war die kompetenteste unter 42 Bewerbern, und auch der Personalrat hat seine Zustimmung zu ihrer Einstellung gegeben", ist in den Kreistagsfraktionen die Verwunderung groß.
"Überrascht" zeigte sich CDU-Vize-Fraktionschef Uwe Liebehenschel. "Dass der Landrat nicht wenigstens die Fraktionsvorsitzenden darüber informiert hat, ist nicht gut", sagte er gegenüber der MOZ. Kein Blatt vor den Mund nahm hingegen Oda Formazin (Bürgerfraktion Barnim/FDP). "Das springt einen ja förmlich an. Hier soll eine Alt-Politikerin versorgt werden", stellte sie fest. "Das ist ja geradezu zum Fremdschämen."
Auch Peter Vida (BVB/Freie Wähler) zeigte sich empört: "Dieses Geschachere mit öffentlichen Stellen zu Gunsten von Parteifreunden ist wirklich schäbig", sagte er. "Es ist gut, dass es die Kontaktstelle Asyl gibt, aber Frau Bierwirth halte ich für die falsche Wahl. Sie hat sich für das Thema in den vergangenen Jahren nicht mal interessiert", stellte der Vorsitzende des Beirates für Migration und Integration des Landkreises fest. Er kündigte an: "Wir werden selbstverständlich Akteneinsicht in die Ausschreibungsunterlagen nehmen."
Verwundert über das Gebahren des Landrates ist schließlich auch Linke-Fraktionschef Lutz Kupitz. "Herr Ihrke hätte sowohl die Fraktionschefs als auch die Mitglieder des Kreistages darüber unterrichten müssen, dass die Kontaktstelle Asyl personell bereits besetzt ist. Wen er einstellt, ist letztlich seine Entscheidung. Das Recht hat er als Landrat". Dennoch bleibt auch bei Kupitz ein ungutes Gefühl: "Ein solches Vorgehen hat immer einen merkwürdigen Beigeschmack", findet er.