Bei der dritten Neujahrswanderung gegen die Errichtung von Windrädern im Liepnitzwald gab es eine Rekordbeteiligung. Rund 400 Protestierende aus Bernau, Basdorf, Klosterfelde, Lanke und Wandlitz nahmen am Sonntag an dem zweistündigen Spaziergang teil.
Junge und ältere Paare, Familien, Leute mit Hund oder Fahrrad - sie alle waren gekommen, um gegen die von der Landesregierung geplanten Windräder zu protestieren. "Wir finden es unmöglich, dass so viel Wald abgeholzt werden soll und dann Stromriesen das Landschaftsbild verschandeln", sagen Angelika und Karlheinz Schulz aus Bernau. Sie kennen das Gebiet rund um den Liepnitzsee seit vielen Jahren, kommen zum Wandern und Radfahren gerne hierher.
Auch Doris Joecks aus Lanke liebt dieses herrliche Stück Natur und findet es beängstigend, was die Politiker damit vorhaben. "Damit diese Abholzungspläne nicht verwirklich werden, nehme ich an der Wanderung teil", sagt die ältere Dame.
Wie viele andere ist sie nicht zum ersten Mal dabei, wenn die Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald" zum Waldspaziergang gegen die Windkraft aufruft. Auch am Sonntag führt wieder Hans-Jürgen Klemm den starken Besucherstrom durch die bedrohte Landschaft. Allerdings auf etwas anderen Pfaden als in den Jahren davor: So wird an solchen Stellen Halt gemacht, die besonders verdeutlichen, wie "hirnrissig und vor allem verantwortungslos die Pläne der Verantwortlichen in Potsdam sind", macht der studierte Diplomingenieur deutlich. Und so bringt er die große Gruppe der Windkraftgegner unter anderem 400 Meter von der Autobahn entfernt zum Stehen. Dort verdeutlicht er den zu erwartenden Lärmzuwachs. "Durch das Abholzen des wertvollen Misch- und Kiefernwaldes entstehen praktisch neue Schneisen, die den Lärm dann ungehindert weiter tragen", ruft er durch das Megaphon. Mit ernsten Gesichtern verfolgen die Zuhörer die Ausführungen.
Natalie und Johanna, zwei elfjährige Mädchen aus der Wandlitzer Montessoiri-Schule, sind ebenfalls dabei. Sie haben sich kürzlich gemeinsam mit einer handvoll Gleichaltriger zu einer Kinder- und Jugendgruppe gegen die geplanten Windkraftanlagen im Liepnitzwald zusammengeschlossen. "Wir wollen anderen die Augen öffnen und ihnen erklären, was mit dem Wald passieren wird", sagt Natalie selbstbewusst. Unterstützt werden sie dabei von der "großen" Bürgerinitiative.
Hans-Jürgen Klemm hat am Sonntag jedenfalls eingehalten, was er zu Beginn der Wanderung versprach: "Es wird keine großen Reden geben, dafür mehrere kleine", sagte er. Drei Mal gab es während der Tour kurze Stopps. Bernhard Huhn, Förster im Ruhestand, ging beispielsweise auf die natürliche Speicherung von Kohlendioxid durch den Wald ein. "Wird die Fläche allerdings künftig als Industriegebiet genutzt, geht diese wichtige Funktion als Sauerstoffspender verloren und nimmt ihm seine Erholungsfunktion."
Wanderführer Klemm verdeutlichte die Gefahr noch einmal durch aktuelle Zahlen: 382 Hektar seien als Windeignungsgebiet im Liepnitzwald vorgesehen. Das würde bedeuten: sechs bis sieben Stromriesen auf 100 Hektar. Damit verbunden seien erhebliche Landschaftsveränderungen. Schließlich müssten teilweise bis zu 20 Meter Höhenunterschiede überwunden werden. Hans-Jürgen Klemm appellierte an die Teilnehmer und rief dazu auf, Einwände gegen den Windeignungsplan vorzubringen. Der Plan wird ab April öffentlich ausgelegt.
Informationsveranstaltung am Dienstag, 21. Januar, um 19 Uhr im "Goldenen Löwen" in Wandlitz.
Musikalische Umrahmung: Heiko und Birgit Großmann von der Jagdhornbläsergruppe Hubertusstock bliesen an einigen Haltepunkten ordentlich ins Horn.Foto: Steffi Bey
Rund 400 Menschen protestieren gegen die geplante Abholzung von Bäumen am Liepnitzsee