Werneuchen. Ganz traditionsverbunden feierte am Sonnabend die „Korporative Schützengilde Werneuchen von 1848 e.V.“ ihr 17. neuzeitliches Schützenfest. Zu DDR-Zeiten waren Schützenvereine nicht zugelassen, erklärte Werner Thürling, der als 1. Hauptmann auch Vereinsvorsitzender ist.
Schießen war in der DDR-Zeit nur in der vormilitärischen Gesellschaft für Sport und Technik (GST) oder eben in den bewaffneten Organen der DDR möglich. Deshalb musste der Werneuchener Traditionsverein nach der Wende 1993 wiedergegründet werden.
Seither wächst die Zahl der Schießsportbegeisterten auch in Werneuchen stetig. „Rund ?70 Mitglieder zählt unsere Gilde derzeit“, erklärt Thürling stolz.Der 45-jährige selbständige Elektromeister leitet den Werneuchener Schützenverein seit neun Jahren.
Stolz ist er darauf, dass alle Mitglieder sehr verantwortungsbewusst mit ihren Waffen und der Munition umgehen. „Bei uns gab es noch keine Unfälle und schon gar keinen Missbrauch“, betont Thürling. Auch er war entsetzt über Nachrichten von Amokläufern in Schulen. „Aber“, so der Vereinsvorsitzende weiter, „es gab auch schon Polizisten, die ihre Dienstwaffe missbraucht haben.“ ?Trotzdem habe niemand ernsthaft gefordert, die Polizei zu entwaffnen.
Die Mitglieder seines Vereins beschreibt Thürling als begeisterte Sportler und Technik-Freaks. Auch er sei zunächst vor allem an alter und neuer Technik interessiert gewesen, als er zum Schießsport kam. Bis heute sei die Vereinsarbeit auch immer technische Knobelei, verbunden mit Traditionspflege und neuen Entwicklungen.
Wie diese Traditionspflege aussieht, demonstrierten dann die Werneuchener Schützen gemeinsam mit Gästen aus Vereinen in ganz Brandenburg beim Schießen in der kleinen Parkanlage am Paddenpuhl. In historischen Uniformen mit viel Lametta und mit alten Vorderladern und Kanonen wurden mehrere Salute geschossen. Natürlich alles ohne scharfe Munition.
Die Tradition des Werneuchener Schützenvereins reicht bis ins Erstgründungsjahr 1848 zurück. Damals war der Verein als „Korporative Schützengilde“ durch den amtierenden Kaiser Friedrich-Wilhelm II. zugelassen worden. Er hatte damit das Privileg, mit Grundstücken zu handeln wie eine Privatperson und übernahm gleichzeitig Aufgaben zum Schutz der öffentlichen Ordnung im Kaiserreich. „Notfalls hätte der Kaiser auch die Schützengilden zu seinem eigenen Schutz eingesetzt“, weiß Thürling.
Das 17. Schützenfest war trotz wenig Werbung wieder ein voller Erfolg. Neben den ?befreundeten Schützenvereinen waren auch viele Werneuchener und Gäste aus der Umgebung gekommen, um bei dem farbenprächtigen und akustisch beeindruckenden Spektakel dabei zu sein.