Der Vorstoß der Bildungsministerin stößt bei Barnimer Mitgliedern des Landelternrates zum Teil auf Kritik. Michael Otto aus Eberswalde ärgert sich vor allem über den späten Zeitpunkt der Ankündigung. "Immer hieß es nein, nein, nein zur Maskenpflicht – und nun erst im letzten Moment doch. Das muss man bemängeln." Otto sieht die Entscheidung besonders mit Blick auf die Grundschüler kritisch. "Die Eltern der Kleinen hätten viel früher Bescheid wissen müssen, um mit den Kindern das Maskenanlegen auch zu üben." Auch die Schulen hätten frühzeitig Klarheit gebraucht.

Für Jüngere "nicht zumutbar"

Schulstart in Brandenburg ist am kommenden Montag, 10. August. Dann gilt die Maskenpflicht zwar offiziell noch nicht, da die neue Verordnung erst kommenden Dienstag von der Landesregierung verabschiedet wird. Aber den Schulen wird empfohlen, die Maskenpflicht bereits zum Schulstart freiwillig einzuführen, heißt es aus Potsdam.
Sabine Buder aus Biesenthal, ebenfalls Barnimer Mitglied im Landeselternrat, sieht die Maskenpflicht sogar grundsätzlich kritisch. Es sei zwar nachvollziehbar, dass der Schutz der Gesellschaft und die Minimierung weiterer Ansteckungen mit dem Coronavirus derzeit bei allen politischen Entscheidungen im Vordergrund stehe. "Allerdings ist aus meiner Sicht bei der pauschalen Maskenpflicht für unsere Kinder die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben", betont Buder. "So lange es verantwortbar scheint, dass Menschen in Risikoländer verreisen dürfen oder Personen aus verschiedenen Haushalten ohne Maske dicht an dicht in Restaurants nebeneinandersitzen und von Kellnern ohne Maske bedient werden, halte ich die maßgeblichen Einschränkungen in Bezug auf das Sozial- und Lernverhalten, die das Tragen einer Maske für unsere Kinder bedeutet, nicht für gerechtfertigt." Buder fügt hinzu, gerade für jüngere Schüler sei das ständige Tragen einer Maske nicht vermittelbar und auch nicht zumutbar.
Problematisch wird die Last-Minute-Maskenpflicht zum Teil auch an den Schulen betrachtet. Sie haben nun viele Fragen zu klären. Etwa: Was passiert, wenn Schüler sich weigern, eine Maske zu tragen? Oder was ist, wenn Kinder ihre Maske vergessen oder verlieren? Sind dann Sanktionen fällig? "Es gilt ja die Schulpflicht", sagt eine Barnimer Grundschulleiterin. Ob sie Schülern, die keine Maske haben, eine stellt? Kann sie nicht sagen.

Masken von der Schule?

Viele Schulen haben zwar Maskenkontingente angelegt. Diese sind aber eigentlich für die Lehrer gedacht. Möglich ist, dass der Schulträger aktiv wird. Bei weiterführenden Schulen – etwa Oberschulen und Gymnasien – ist das der Kreis, bei Grundschulen im Regelfall die Kommune.
Im Bernauer Rathaus heißt es, man befinde sich als Träger im ständigen Austausch mit den Bildungseinrichtungen. Erst Anfang dieser Woche habe die Stadt den Schulen gegenüber geäußert, dass sie sich jederzeit melden können, wenn sie Bedarf haben. Ähnliches ist vom Landkreis zu hören.
Sabine Buder vom Landeselternrat wünscht sich darüber hinaus, dass Schulen in Hinblick auf die besondere Situation auch bereit sein sollten, alternative Unterrichtsmethoden anzuwenden. Von digitalem Unterricht bis hin zu Unterricht in der freien Natur könne sich die Barnimer Elternvertreterin verschiedene Formate vorstellen. Das könne den Infektionsdruck senken und trotzdem die Lust am Lernen bei den Kindern erhalten.