Die Zeit wird langsam knapp: In genauer einer Woche sollen erstmals Klosterfelder Schüler in der neuen Mensa ihr Essen einnehmen können. Frisch gekocht, gesund und wohlschmeckend und natürlich in einem fertigen Speiseraum und nicht inmitten einer Baustelle. Dass aus dieser Vorstellung tatsächlich etwas werden könnte, ist Handwerksfirmen wie der Klosterfelder Elektrofirma von Jörg Marz zu verdanken. Mit drei weiteren Männern schiebt der Chef am Sonnabend kurz vor der Mittagsstunde einen zweiten Schaltschrank in den Elektroraum im hinteren Bereich der neuen Mensa. „Viel Zeit bleibt nicht mehr, es wird zum Ende eng“, murmelt er dabei und motiviert mit flotten Sprüchen seine Helfer.

Der Baufortschritt macht langsam Hoffnung

Der Blick in den großen Speiseraum belegt immerhin den Baufortschritt, den es innerhalb von vier Tagen gab. Am Dienstag vor knapp einer Woche war Ralf Weibezahl von der Klosterfelder Firma Sieber-Color noch mit Farbeimern und Rolle auf einer Leiter aktiv, um das angenehme Blau zu streichen, das jetzt die Essensausgabe und den Küchenbereich einrahmt. Obendrein glänzt der Fußboden mittlerweile und die Mitarbeiter der Naturstein-Firma Schimansky, ebenfalls aus Klosterfelde, konnten ihre Fliesenarbeiten zu Ende bringen.

Hunderte Teller, Schalen, Tassen fehlen noch

Zumal heute hunderte Teller, Schalen, Tassen und Becher, Besteck und sonstige Utensilien angeliefert werden, die in eine Großküche gehören. Denn auch das wurde in langer Vorbereitung vorab besprochen und vereinbart: In der Klosterfelder Mensa soll künftig frisch gekocht werden. Am besten mit den Produkten regionaler Hersteller, gern auch bio-zertifiziert.

Sodexo konnte Ausschreibung für sich entscheiden

Bei der Suche nach einem passenden Betreiber hat sich die Gemeinde viel Mühe gegeben. Nach dem aufwendigen Bewerbungsverfahren, inklusive Probeessen und großer Jury, ist die Firma Sodexo als Sieger hervor. Die Berliner Niederlassung bekam den Zuschlag, an den Schultagen 291 Portionen täglich für die Schul- und Kitakinder zu kochen. Daniela Meyer-Kuntzsch, die in der Gemeinde Wandlitz zuständige Amtsleiterin für den Bereich Schule und Kita, erinnert sich noch an das Probeessen, das die Firma Sodexo im Wettbewerb mit der Konkurrenz für sich entscheiden konnte. „Bei Sodexo gab es Zanderfilet und Kartoffelpüree, etwas Vegetarisches und Frisches. Es hat super geschmeckt, da war nichts mehlig und der Fisch schmeckte nach Fisch.“ Die Firma erzielte bei der Hauptspeise die höchste Punktzahl und konnte alle Zertifikate nachweisen, die vorzulegen ebenfalls ein Teil der Ausschreibung war.

Erste Kritiker melden sich zu Wort

Insofern gibt sich die Amtsleiterin überzeugt, nicht allein der günstigeren Kosten wegen die beste Entscheidung getroffen zu haben. Immerhin machten die Kosten 50 Prozent der Entscheidungsmatrix aus, gefolgt von 30 Prozent Verkostungsergebnis und 20 Prozent für die Qualität und die Zertifikate.

Cook&Chill wurde erlaubt

Nun tauchten allerdings in der jüngsten Sitzung der Wandlitzer Gemeindevertreter kritische Fragen zur Auftragsvergabe auf. Katja Hoyer (B90/Grüne) äußerte noch vor dem Sodexo-Start in Klosterfelde Zweifel. „Ich wundere mich etwas über die Vergabe an diesen Anbieter, denn wenn ich es richtig erinnere, ging es besonders dem Ortsbeirat um das frische Kochen vor Ort. Bei Sodexo werden nur wenige Speisen vor Ort gekocht“, wusste sie zu berichten. Bürgermeister Oliver Borchert gab sich hingegen zuversichtlich. So werde bei Sodexo nach dem Cook&Chill-Verfahren gearbeitet, dies sei in der Ausschreibung erlaubt gewesen. Dahinter verbirgt sich das Konzept, in Großküchen vorzukochen, die Mahlzeiten dann einzufrieren und vor der Essensausgabe final zuzubereiten. Zudem habe Sodexo eine zweijährige Probezeit, um Qualität unter Beweis zu stellen. Isabell Czok-Alm (Linke) stellt noch am Samstagabend dem Bürgermeister kritische Fragen, zumal die Sodexo-Kundenkarten von Bitterfeld aus nach Klosterfelde geschickt wurden.