Die einen geben Schwarze Listen mit Namen von Stadtverordneten heraus und die Empfehlung, diese nicht zu wählen, "weil bürgerfeindlich und profillos". Die anderen unterstellen ihren politischen Gegnern, gemeinsame Sache mit der NPD zu machen. Was sich derzeit in der Stadt abspielt, erinnert stark an Zeiten des Kalten Krieges. Dabei sind die angewandten Methoden auf beiden Seiten gleich.
Am Dienstagabend bei einem Wahlforum, zu dem der Unternehmerverein Barnimer Mittelstandshaus die Spitzenkandidaten der etablierten Parteien sowie des "Bündnis für Bernau" (BFB) und der Unabhängigen eingeladen hatte, waren alle darum bemüht, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Dagmar Enkelmann (Linke) betonte, wie wichtig eine "an Sachfragen orientierte Politik" sei und dass man "wieder zu einem Miteinander" kommen müsse". Elke Keil (SPD) stellte fest: "Wir brauchen eine verlässliche Politik und eine verlässliche Verwaltung". Michael Hermann (Freie Fraktion) wünschte sich "mehr Werbung für die Stadt, damit die Republik weiß, dass es Bernau gibt". Und Pèter Vida (Unabhängige) plädierte für eine "Förderung der direkten Bürgerbeteiligung. Das nutzt der Wirtschaft, den Bürgern, das nutzt der ganzen Stadt".
Horst Werner vertrat das "Bündnis für Bernau", das aus der Bürgerinitiative WAV Panke/Finow hervorgegangen ist und sich am 25. Mai erstmals zur Wahl stellt. "Viele haben Angst vor uns. Warum? Wir tun doch keinem was!", leitete er sein Statement ein, um sodann den Stadtverordneten vorzuwerfen, viele Jahre Zeit gehabt, aber nichts getan zu haben. "Die sachkundigen Einwohner in den Ausschüssen sind die Einzigen, die Ahnung haben. Das andere sind alles Parteisoldaten", machte Werner kein Hehl aus seiner Auffassung. Frank Goral (CDU) war der Einzige, der sich gegen solche Sprüche verwahrte. Andere, wie der Bündnisgrüne Klaus Labod, zogen es vor, sich besser den zuvor beschworenen Sachthemen zu widmen. Dabei benannte er in der strittigen Frage der Refinanzierung von Investitionen im Wasser- und Abwasserverband Panke/Finow deutlich seine Auffassung. "Aus grüner Sicht sollten wir die jetzige Mischform aus Gebühren und Beiträgen beibehalten. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Liquidität des WAV gefährdet wird", sagte Labod. Denn dann drohe die Privatisierung der Wasserver- und Abwasserentsorgung, "und das darf auf keinen Fall passieren".
Die Positionen in dieser Frage sind klar: SPD, CDU und Freie Fraktion sind da ganz auf der Seite Labods. Linke-Fraktionschefin Dagmar Enkelmann appellierte mit Blick auf die Dienstagsdemonstranten, die auf einer reinen Gebührenfinanzierung beharren: "Wir müssen an einem Kompromiss arbeiten, der für alle erträglich ist".
Doch das ist frühestens nach dem 25. Mai möglich. "Ich wünsche mir, dass diese Legislaturperiode so schnell wie möglich vorbei ist, weil ich große Probleme mit der Situation in dieser Stadt habe", sagte beispielsweise Stadtverordneter Othmar Nickel (CDU) an diesem Abend. Wie er steht auch SPD-Fraktionschefin Elke Keil auf der "Schwarzen Liste", die Bernd Schuhmann, ein Protagonist der Dienstagsdemonstrationen, aufgestellt hat. Sie ließ prüfen, ob sie gegen diese Art von Denunziation etwas tun kann. Doch Juristen machten ihr keine Hoffnung. "Diese ganzen Beschimpfungen gehen mir schon an die Nieren", sagt Elke Keil. "Ich weiß nicht, wie das alles weitergehen soll."