Es sollte am Montagabend eine gemütliche Busfahrt von Wandlitz nach Berlin-Köpenick zur Firma Hauptstadtfloß GmbH & Co.KG werden. Die Wandlitzer Bürgermeisterin Jana Radant hatte die Gemeindevertreter und die Mitglieder des Ortsbeirates eingeladen, um sich beim potenziellen Anbieter mit eigenen Augen davon zu überzeugen, was das Unternehmen auf dem Wandlitzsee zu leisten imstand wäre. Doch mehr als 30 der eingeladenen Gäste verzichteten teilweise kurzfristig auf die Tour. Am Ende fuhren drei Gemeindevertreter sowie Jana Klepp von der Verwaltung und Bürgermeisterin Jana Radant in einem Pkw aus Wandlitz ab, um in Berlin ein Boot zu besichtigen, das in ähnlicher Form für den Wandlitzer Einsatz gebaut werden könnte.
Einer der Gründe für die zahlreichen Absagen dürfte in einem Brief liegen, den der See-Besitzer Werner Becker kurz zuvor verfasst hatte. Darin schildert Becker, wie er "auf ausdrücklichen Wunsch hin" sein Einverständnis für einen Fährbetrieb auf dem Wandlitzsee inklusive "einer Zusatznutzung für Kaffeefahrten" erklärt habe. Zugleich sei von ihm aber stets betont worden, dass ein Party-Schiff mit abendlicher Beschallung der Anlieger nicht in Betracht komme. "Jetzt schreibt die MOZ von einem Partyschiff, das, quasi als Zusatznutzung, auch zwei oder drei Rundfahrten täglich anbieten wird. Damit war ich nicht einverstanden, und bin ich nicht einverstanden", formulierte See-Eigentümer Becker.
Der Gemeindevertreter Ralf Becker (SPD) gehörte am Montag zur kleinen Abordnung und konnte sich einen eigenen Eindruck vom Angebot machen. "Das Boot ist schön und rustikal, mir persönlich wäre es aber zu groß für den Wandlitzsee", hält er sich vorsichtig bedeckt. Die Bürgermeisterin Jana Radant war am Dienstag für die MOZ nicht erreichbar, sie ließ durch ihre Tourismusbeauftragte Jana Klepp ein Dossier des Besuches versenden. Darin festgehalten ist die wichtige Zusage, dass es nur in Abstimmung mit der Gemeindevertretern zu einem Schiffsneubau kommen würde. Auch sei die Größe des Schiffes mit 20 mal fünf Metern nicht schlussendlich festgelegt. Die Nutzung des Bootes erstreckt sich auf den Fährverkehr, auf Trauungen (einschränkend wurde angefügt, es sei lediglich der Empfang direkt nach dem Ja-Wort gemeint), auf Senioren- oder Frühstücksfahrten. Die bordeigene Gastronomie sei eher einfacher Natur, wobei regionale Gastronomen und Dienstleister bei höherwertigen Angeboten einbezogen werden sollen. Der Immissionsschutz sei schließlich jederzeit gewährleistet. Die Tonanlage werde eingepegelt, sodass aus dem Fahrgastschiff keine störenden Geräusche zu vernehmen sein werden. Ob all das dies die Gemüter beruhigen kann, bleibt abzuwarten. Das letzte Wort abliegt ohnehin dem See-Eigner, der sich noch im Mai mit der Berliner Firma treffen will.