Sie darf nicht, war die Meinung einiger Stadtverordneter, die einen Gruppenantrag gestellt hatten, in dem sie forderten, vom Kauf-Beschluss im November Abstand zu nehmen, bis es ein konkretes Nutzungskonzept gibt. „Als öffentliche Hand können wir nur aus Bedarfsgründen kaufen“, führte Peter Vidá (Unabhängige) an. „Gründe wie ein günstiger Kauf zählen nicht.“
„Die Kommunalaufsicht hat erklärt, ein Vorratskauf ist zulässig, aber es muss eine überwiegende Wahrscheinlichkeit geben für den Bedarf. Ansonsten ist der Kauf unzulässig“, so Labod. Er habe Akteneinsicht zu dem Thema genommen und darin habe es keine Hinweise dafür gegeben, dass das Gebäude für die Feuerwehr benötigt wird.“ Den Bedarf für die Feuerwehr hatte Bürgermeister Hubert Handke aber als Grund dafür angegeben, weshalb die Stadt das Gebäude kaufen sollte.
Auch Dagmar Enkelmann (Die Linke) plädierte gegen den Kauf. „Wenn ein solcher Druck besteht, hätte ich erwartet, dass der Bürgermeister uns heute konkrete Vorstellungen vorlegt, was er mit dem Grundstück vorhat. Wir haben genug städtische Grundstücke. Ich möchte nicht auf Vorrat öffentliche Gelder opfern“, erklärte sie.
Bürgermeister Hubert Handke (CDU) konnte mit der Antwort der Kommunalaufsicht trumpfen, ein Kauf auf Vorrat sei sehr wohl rechtmäßig. „Es ist zulässig, bereits jetzt ein Gebäude zu kaufen, um diesem auch erst in fünf Jahren eine Aufgabe zuzuordnen“, zitierte er aus der Antwort der Aufsichtsbehörde.
Es gebe Raumengpässe für die Feuerwehr im Angergang. Handke betonte, es sei aus haushaltstechnischen Gründen sein Anliegen, die Räume so spät wie möglich zu nutzen. „Erst wenn der Ausbau am Feuerwehr-Gerätehaus erfolgt ist, können wir abschätzen, ob wir noch das Gebäude Klementstraße 10 brauchen. Aber es grenzen mit dem Amtsgericht gleich zwei öffentliche Gebäude daran, so dass eine öffentliche Nutzung gegeben ist.“
Der Kauf des Grundstücks könnte eine Signalwirkung auf andere Investoren haben, in den Standort Bernau zu investieren, fand Renate Richter (Freie Fraktion).
In einer namentlichen Abstimmung entschied sich schließlich die Mehrheit der Abgeordneten für den Kauf, der mit 17 Ja, zehn Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen beschlossen wurde.
Der Termin für die Zwangsversteigerung des Gebäudes, der eigentlich heute stattfinden sollte, wurde abgesagt. Stadt und Verkäufer stehen derzeit in Verhandlungen. Die Stadt ist bereit, 70 Prozent des vom Gericht gutachterlich bestimmten Verkehrswertes zu zahlen. Die Chancen dafür stehen offenbar gut.