Pünktlich um 16 Uhr läutete Hildegard Bossmann die Glocke. "Es war mir eine besondere Ehre", sagte die Linken-Politikerin und meinte damit ihr Amt als Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung in der letzten Legislaturperiode. Dann ergriff Bürgermeister André Stahl (Linke) das Wort. Er zeigte sich optimistisch, dass die Stadtverordneten in den  kommenden Jahren "gute Entscheidungen für die Stadt" treffen. "Die Verwaltung wird alles dafür tun, dieses Beschlüsse umzusetzen". Den Stadtverordneten bot Stahl eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit an und dankte Hildegard Bossmann für ihre Arbeit. Anschließend gab es für jedes Mitglied des Stadtparlaments eine Blume.
Traditionell übernahm der Altersvorsitzende, es war Harald Ueckert (Linke), die Sitzungsleitung. Mit neun Parteien und Vereinigungen sei das politische Spektrum im Gremium so bunt wie nie, so der Schönower. Er mahnte zugleich "kluge Kompromisse" bei Entscheidungen an. Das Ziel müsse immer das "Wohl der Bürger" sein.
In einer persönlichen Erklärung griff  Klaus Labod (Bündnis 90/ Grüne) die Alternative für Deutschland (AfD) für ihre Politik an. "Bernau bleibt weltoffen und tolerant", sagte der Stadtverordnete unter dem Beifall der Fraktionen. Die AfD wies die Kritik zurück.
Die geheime Wahl des Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung verlief erwartungsgemäß. Die Fraktion BVB/Freie Wähler hatte ihr Mitglied Péter Vida vorgeschlagen. Weitere Bewerber gab es nicht. Auf den Rechtsanwalt entfielen 20 Ja- und 13 Nein-Stimmen, es gab eine Enthaltung. Vida erhielt damit eine Stimme mehr als es gesetzlich erforderlich gewesen wäre. Der neue Vorsitzende dankte für das entgegengebrachte Vertrauen. Er verstehe sich als Moderator, der die Sitzungen nach Gesetz und Anstand leiten werde. "Wir wollen in der Sache hart, im Stil aber fair miteinander umgehen", so Vida.
Erbarmen bei den Grünen
Zur 1. Stellvertreterin wurde anschließend Irene Köppe (Linke) bestimmt. Für die bisherige sachkundige Einwohnerin im Finanzausschuss votierten 19 Stadtverordnete. Es gab 14 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.
Eine peinliche Situation entstand, als Vida, der inzwischen die Sitzungsleitung übernommen hatte, um Vorschläge für den 2. Stellvertreter-Posten bat. Auf mehrmalige Aufforderung, auch in Richtung der drittstärksten CDU-Fraktion, meldete sich zunächst niemand. Schließlich erbarmte sich Jonathan Etzold (Bündnis 90/Grüne) und schlug seinen Fraktionskollegen Kim Stattaus vor. Dieser erhielt schließlich 21 Ja- bei zehn Nein-Stimmen und drei Enthaltungen.
Der Hauptausschuss wird auf Antrag der CDU-Fraktion künftig ein Mitglied mehr haben. Es sind dann zehn Stadtverordnete plus Bürgermeister. Damit sicherten sich die Christdemokraten einen zweiten Sitz im Gremium. Wäre es bei neun Sitzen geblieben, hätte der Fraktion nur ein Stuhl zugestanden. Der Vorsitzende Daniel Sauer hatte den Vorstoß mit "dem breiten Spektrum an Aufgaben" begründet. Der Vorsitzende des Hauptausschusses wird in der ersten Sitzung bestimmt.
Weitere Entscheidungen der neuen Stadtverordnetenversammlung betreffen Änderungen der Zuständigkeitsordnung bei den Ausschüssen. Der bisherige Umwelt und Wirtschaftsausschuss wird – dazu lagen Anträge der Verwaltung sowie der CDU vor –  aufgelöst. Die Aufgaben sind auf  andere Gremien zu übertragen. Demzufolge gibt es nun folgende drei Fachgremien: Wirtschafts- und Finanzausschuss, Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Verkehr sowie der Ausschuss für Bildung, Jugend, Kultur, Soziales und Sport.