"Es gibt Wasserstraßen I. und II. Ordnung und es gibt sonstige Gewässer und gerade um letztere geht es mir", sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Zierke, Mitglied des Verkehrsausschusses und des Ausschusses für Tourismus im Bundestag. Er meint damit auch den Finowkanal. Der steht zwar auf der Liste der Gewässer erster Ordnung des Landes, aber beim Bund rangiert er in der Rubrik sonstige Bundeswasserstraßen. Zierke möchte, dass der Bund diese Strecken als touristische oder Wirtschaftswasserstraßen führt und sie so aufgewertet werden. Denn Dingen, die unter Sonstiges fallen, widme man nicht viel Aufmerksamkeit. Doch haben diese Wasserstraßen oft eine kulturhistorische Bedeutung und tragen auch zur Wertschöpfung bei.
Von den sonstigen Wasserstraßen ist der Finowkanal der einzige, der auch vom Bund gefördert wird. Doch damit ist noch nicht alles ausgestanden, um ihn zu einer florierenden Wasserstraße zu machen. Auch die Schleusen müssen tipptopp sein. Um wirklich zu wissen, worum es dort geht, hat sich Zierke für einen Tag als Praktikant an einer Schleuse entschieden.
Die Arbeit dort reicht vom Rasenmähen des Schleusenumfelds bis hin zum Kurbeln für das Öffnen der Schleusentore. Andrea Hummel ist die Schleusenmeisterin und zeigt dem Bundestagsabgeordneten fachmännisch, worauf er dabei achten muss. Auch in die Papiere wirft er einen Blick und erfährt so, dass es an den Wochenenden bis zu 26 Schleusungen gibt, in der Woche sind es bis zu 16.
Um aber alle Schleusen am Finowkanal zu sanieren, sind mindesten 13 Millionen Euro erforderlich, weiß Zierke. Und das sei die Minimalvariante. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hält einen Betrag von etwa 35 Millionen Euro für erforderlich. Dazu komme die Frage, ob die Schleusen manuell oder automatisch gesteuert werden, wobei Letzteres zum Wegfall von Arbeitsplätzen führen würde.
Andererseits werde im Zusammenhang mit den sonstigen Binnenwasserstraßen beim Bund auch diskutiert, einige Schleusen gänzlich aufzugeben und nur noch den Durchlass für Fische zu garantieren. Das aber würde letztlich bedeuten, dass Zugangswege zu den bisherigen Schleusen gebaut werden müssten, um die Anlagen im Blick behalten zu können. Dies würde letztlich fast genauso viel kosten. Daher bestünden auch gute Chancen für den Erhalt der Schleusen.
Auf deren Bedeutung wies Ralf Hennings von der Wassertourismusinitiative Nord (WIN) hin, deren Bestandteil auch der Finowkanal ist. Insgesamt wird mit dem WIN-Projekt eine Strecke von 350 Kilometer für den führerscheinfreien Charterbootsverkehr ermöglicht. Allerdings stehe nach Worten von Hennings derzeit die Verbindung von Oranienburg zu den Ruppiner Gewässern in Frage, weil dort Schleusen so marode sind, dass sie gesperrt werden mussten. Insofern fallen etwa 100 Kilometer des Gesamtprojektes noch weg. Auch aus dieser Sicht sei die Unterstützung des Bundestagsabgeordneten für die touristisch bedeutsamen Gewässer von großer Wichtigkeit.
In dem Zusammenhang spiele auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Die wiederum konnte Antje Uhlig bestätigen, die beim Landkreis Barnim für WIN zuständig ist. Sie erinnerte daran, dass für den Langen Trödel als Teil des WIN-Projektes die Wirtschaftlichkeitsberechnung so ausgefallen sei, dass die ILB die Investition unterstützt habe.
Doch jetzt kann Stefan Zierke nicht mehr zuhören. Als Schleusenwärterpraktikant muss der Bundestagsabgeordnete die Kurbel zum Öffnen der Schleuse bedienen. Zwei Yachten fahren ein. Sie wollen bis nach Eberswalde und zum Schiffshebewerk Niederfinow.