In ungeahnter Deutlichkeit machte Meister seinem Ärger in einer an die Schiedsrichterausschuss-Vorsitzenden von Kreis und Land - Helmut Ploch und Heinz Rothe - verfassten E-Mail Luft. "Eine Tätigkeit im Fußballkreis Oberhavel, unter der Führung dieser Person (Bernd Trojanowski, Anm. d. Red.), ist mir nunmehr unmöglich, ohne persönlich Schaden zu nehmen." Das i-Tüpfelchen für den Rücktritt war ein von Trojanowski verfasster Leserbrief im Oranienburger Generalanzeiger, in dem Meister harte Vorwürfe gemacht wurden.
Das konnte und wollte der Lehrwart nicht auf sich beruhen lassen. "Aufgrund der überhandnehmenden Diffamierungen, unhaltbaren Vorwürfen, Verächtlichmachung meines Namens und der Beeinträchtigung meines Privat- und Berufslebens... durch den Vorsitzenden des Fußballkreises Oberhavel trete ich mit sofortiger Wirkung vom Amt des Schiedsrichterlehrwartes zurück."
Dass es zu dieser Handlung kam, dürfte den anhaltenden Angriffen Trojanowskis im Zuge der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Neuruppin gegen einen 20-jährigen Referee wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes geschuldet sein. In einer eigens anberaumten Pressekonferenz hatte der Fußball-Chef dem Lehrwart vorgeworfen, den Namen des Beschuldigten in einer Rundmail innerhalb des Schiedsrichterausschusses veröffentlicht zu haben.Dagegen hatte sich Meister vehement gewehrt. Seinen Rücktritt will er daher auch nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen.
Der Abschied Meisters hat aber gravierende Auswirkungen auf die Zusammensetzung des am 11. April gewählten Schiedsrichter-Ausschusses für den Fußballkreis Oberhavel-Barnim. Denn dort sollte Boris Meister als Lehrwart fungieren. Dieses Vorhaben dürfte jetzt keine Zukunft mehr haben. Denn der Oranienburger stellt für eine Mitarbeit im neuen Großkreis eine Forderung: "Eine Funktionärstätigkeit im neuen Fußballkreis Oberhavel-Barnim, in welchem Bernd Trojanowski keine Funktion mehr wahrnimmt, schließe ich damit ebenfalls nicht aus."
Wilfried Riemer, der am 24. Mai für den Vorsitz im neuen Verband kandidieren will, machte aus seinem Unmut keinen Hehl. "Ich bin enttäuscht, dass Bernd Trojanowski einen Leserbrief im Oranienburger Generalanzeiger veröffentlicht hat. Ich hätte an seiner Stelle das Gespräch gesucht", macht Riemer klar. Er sei auch nicht darüber erfreut, dass Boris Meister aufhört. Er werde nun Gespräche führen müssen.
Der zurückgetretene Schiedsrichterlehrwart Boris Meister wollte sich zu den Vorgängen nicht weiter äußern.
Michael Hillmann, Geschäftsführer des Fußball-Landesverbandes Brandenburg, äußerte sein Unverständnis über die Vorfälle: "Ich bin sehr irritiert darüber, dass Funktionäre in der Öffentlichkeit so miteinander umgehen. Und dass das eigentliche Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern in den Hintergrund rückt. Wir werden uns auf unserer Vorstandssitzung damit beschäftigen", so FLB-Mann Hillmann.
Der designierte Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses im Fußballkreis Oberhavel-Barnim, Michael Reichert, sagt: "Dieses Problem ist nur dann zu lösen, wenn Bernd Trojanowski zukunftsorientiert denkt und nicht für das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden im Kreis Oberhavel-Barnim antritt". Als oftmals schwierig bezeichnet Reichert das Verhalten von Bernd Trojanowski. "Er lebt sein Alphatiergehabe aus, muss immer alles wissen und es werden von ihm immer wieder Sachen angedroht. Wenn Kritik geübt wird, gibt es sofort eine Gegenkritik."