Doch der Reihe nach: In der Nacht zum Sonntag haben offenbar vor Kraft strotzende Nachtschwärmer die Lehne eines der beiden Stühle abgetreten. Dies wurde tags darauf am Sonntag entdeckt. Uwe Handrick sicherte sogleich die Holzlehne, um sie später wieder anzubauen. Doch  am Dienstag informierte ihn Björn Rücker, Chef des Bauhofes, über die Absicht, den offensichtlich morschen Stuhl nun endgültig abzureißen. Der Grund liegt für die Wandlitzer Verwaltung auf der Hand: "Das morsche Holz stellt eine Gefährdung dar, da muss die Verwaltung handeln. Wer will denn die Verantwortung übernehmen, wenn hier Kinder verunglücken", begründet Bürgermeister Oliver Borchert die Vorgehensweise seines Bauhofes.
Bauhof schuf Fakten
Rücker und Handrick hatten am Dienstag auch miteinander telefoniert, kamen aber laut Handrick nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Mit dem Satz "dann tun Sie doch, was Sie nicht lassen können", beendete Handrick schließlich das Gespräch. Am Mittwochmorgen um 9 Uhr hatte der Bauhof bereits Fakten geschaffen. Der aus dem Stamm der früheren Pappel geschnittene Stuhl war beseitigt worden. "So kann man mit Kunst im öffentlichen Raum nicht umgehen", ärgert sich Handrick seitdem, der zu diesem Thema auch Kontakt zum Bürgermeister Oliver Borchert aufgenommen hatte.
Durch Borcherts Vermittlung kam es dann am Donnerstag zum Vor-Ort-Termin mit Björn Rücker. "Bei diesem Gespräch wurde mir nochmal gesagt, dass die Stühle insgesamt morsch sind und vermutlich auch der zweite Stuhl sicher nicht für die Ewigkeit halten wird", erinnert Handrick, der sein Werk aber gern für die Zukunft erhalten möchte. Dass das Pappelholz nicht eben widerstandsfähig ist, weiß der Wandlitzer sehr wohl. "Deshalb habe ich die Lehnen schon aus Eichenholz gefertigt, das ja viel beständiger ist", argumentiert er. Zudem liegt der Termin der letzten Instandsetzung gerade erst Monate zurück. "Weil die Pappel anfällig ist, habe ich härteres Holz nachgesetzt. Somit kann ich das Argument der Gefährdung gar nicht nachvollziehen", bleibt Handrick bei seiner Meinung und beschreibt, wie gut die Stühle bislang von Kindern und Spaziergängern angenommen wurden. "Dort entstanden viele Fotos von Urlaubern. Jugendliche nehmen gerade im Sommer die Stühle in Beschlag und feiern auch schon mal die eine oder andere Stunde durch."
Ersatz durchaus ein Thema
Zudem finden sich die Stühle in einigen touristischen Publikationen wieder. Laut Borchert könne über den Ersatz der Stühle nachgedacht werden. Möglicherweise werden die Stühle auch als Stadtmöbel ein Thema für den Bau- oder Kulturausschuss.

Zur Geschichte der beiden Stühle


Der Wandlitzer Künstler Uwe Handrick (61 Jahre) kam 2015 auf die Idee, aus zwei Pappel-Baumstämmen die übergroßen Stühle zu fertigen. Positiv begleitet wurde die Aktion durch das Wandlitzer Rathaus. Die frühere Bürgermeisterin Jana Radant zeigte sich damals von der Kunst im öffentlichen Raum begeistert. Zudem stieß das Werk bei den Einwohnern und Gästen auf Zustimmung. Die Stühle laden dazu ein, einen Blick auf die ursprünglichen Felder bei Wandlitz zu nehmen, die an dieser Stelle noch unverbaut sind. Außerdem lässt sich dort der Gesang der Vögel hervorragend belauschen, wie auch Greifvögel beobachtet werden können.  Hans Still