Als Rudolf Diesel seinen neuartigen Motor auf der Weltausstellung 1900 in Paris vorstellte, wurde dieser mit Erdnussöl betrieben. Die Juroren auf der legendären Messe waren begeistert, sie verliehen dem Erfinder den "Grand Prix". Was die damaligen – meist gewerblichen Nutzer – von Maschinen anging, waren sie aber dem "neumodischen Kram" misstrauisch gegenüber. Bewährt hatte sich bis dahin die mit Kohle betriebene Dampfmaschine. Solche und noch viel mehr Dinge weiß Jörg Kühn, Motorensammler und Bastler aus der Werneuchener Altstadt, zu erzählen. "Weil die  Leute skeptisch waren, sahen die ersten Dieselmotoren so ähnlich aus wie Dampfmaschinen", erklärt Kühn und zeigt auf ein einen prächtigen grün lackierten Motor in seiner Werkstatt, dessen hübsch designte Teile sich um einen auffälligen grünen  Zylinder herum gruppieren.
Damals war die Optik wichtig
"Die schönsten Maschinen wurden in Böhmen-Mähren, heute Tschechien, hergestellt", meint Kühn, "zum Beispiel von der Firma Adam." Auffällig sind die gläsernen Ölbehälter mit schmiedeeiserner Fassung, die oben auf den Motor montiert sind. Sie muten an wie Lampenschirmchen oder Vasen. Aus ihnen rinnen regelmäßig wenige Tropfen Öl, die die einzelnen Kugellager schmieren. "Heute beispielsweise beim Auto gibt es ja nur eine Ölwanne, von dort gelangt das Öl über Bohrungen und Kanäle dorthin, wo geschmiert werden muss." Auf Schönheit achtet keiner mehr.
Auch die Motoren im Lager bei Jörg Kühn sind nicht nur teilweise hübsch anzusehen, sie funktionieren auch. Und wenn sie nicht laufen, dann bringt der Sammler und Bastler sie dazu. Mit Akribie sucht er nach originalen Ersatzteilen. Geeignete Foren sind dazu auch die Treffen mit den anderen Motorensammlern, wie das, das am kommenden Sonnabend, 10. August, in Werneuchen stattfindet. Dass die Motoren noch funktionieren, scheint eine Art Codex der Hobbysammler. Theoretisch könnten mit den alten "Möhren" – wie zu ihrer Blütezeit – Dreschmaschinen, Kreissägen, Pumpen oder sogar Waschmaschinen und Kühlschränke angetrieben werden. Die meisten sind Universalmotoren, also multifunktional einsetzbar.
Doch der praktische Einsatz steht für die Bastler nicht im Vordergrund. "Die Definition von Hobby ist ja, mit größtem zeitlichen und finanziellen Aufwand den geringstmöglichen Nutzen zu erzielen", sagt Jörg Kühn schmunzelnd. Er arbeitet als Tischler und wohnt seit 20 Jahren zur Miete bei seinem "Schrauber-Kollegen" Jörg Gatzmanga in der Werneuchener Altstadt. Der restauriert alte Traktoren, manchmal bastelt man gemeinsam. Seine Sammelstücke holt Kühn oft aus alten Häusern, deren Besitzer sich freuen, den alten "Krempel" los zu werden. Für die Bergung ruft Kühn dann häufig seine Kumpels zu Hilfe. Einige Male mussten sie schon Teile von Hauswänden abreißen – und hinterher wieder aufbauen –, um die gewaltigen Schwungräder zu befreien. So mussten sie zum Beispiel vorgehen, als Kühn mit Unterstützern einen Dieselmotor aus einem Sägewerk im Vogtland holte. Auch das Schwungrad der alten Werneuchener Dampfmühle kann Kühn seit 2005 sein Eigen nennen. In Betrieb war es von 1906 bis 1936. Mauern mussten für die Bergung nicht abgerissen werden, allerdings hatte Kühn einen Hebekran bestellt. Die Aktion habe allen Beteiligten viel Spaß gemacht, erinnert er sich, als er sein Fotoalbum zeigt. Aufregend ist es für jeden Sammler auch, über Land zu fahren und leere Gebäude zu erkunden.
Für Liebhaber von Stationärmotoren gibt es jedes Jahr einen Fixtermin: Das große Treffen in Nuenen - Holland. Es ist Europas größtes Event in der Sparte. Alle zwei Jahre trifft sich die Szene im französischen Giverny, dort, wo dem Maler Monet ein großer Ausstellungsgarten gewidmet ist. In die Ausstellung hat es Kühn aber noch nicht geschafft. "Zuviel Andrang", meint er.

Historische Technik zum Anfassen

Sammler von Stationärmotoren treffen sich am Samstag, 10. August, bei der Schützengilde auf dem Werneuchener Flugplatz. "Erlebe alte Technik in Aktion" heißt es dann wieder für die staunenden Gäste. 50 Aussteller mit rund 100 Motoren haben sich angemeldet. Vielen von ihnen erzählen gerne von ihren "Lieblingen". Einer der Organisatoren ist Jörg Kühn aus Werneuchen. Der Eintritt ist frei. Spenden sind gerne gesehen. Die Veranstaltung ist vom Werneuchener Zentrum aus ausgeschildert. kew