Sechs Jahre lang war Kater Tomi verschwunden. Doch jetzt haben ihn Stefanie, Editha und Roland Pauli wieder. Tomi ist im Tierheim Ladeburg als Fundtier abgegeben worden. Da er eine Chip-Kennung trug, konnte die Familie aus Lichterfelde als Besitzerin ausfindet gemacht werden.
„Das so etwas überhaupt passiert, ist schon ein wahres Wunder“, sagt Frank Henning, der Leiter des Tierheims in Ladeburg. Die Vermittlung von Fundtieren ist für ihn und seine Mitarbeiter und Helfer eigentlich etwas ganz Normales. Etwas Besonderes sind dabei stets die Momente, in denen ein entlaufener Hund zurückgegeben werden kann.
Im Fall des schwarzen Katers mit den weißen Pfoten spricht auch Frank Henning unumwunden von einer „Sensation“. Mitunter kommt es vor, dass auch nach langer Zeit ein verloren geglaubtes Haustier wieder auftaucht, im Tierheim abgegeben wird und der Besitzer gefunden wird. Doch mitunter haben sich Herrchen oder Frauchen dann schon anders orientiert und vielleicht einen neuen Liebling angeschafft. In diesem Fall aber ist alles anders.
Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Dennoch ging zum Schluss alles ganz schnell. Erst am Donnerstagnachmittag war Kater Tomi als Fundtier aus Liebenwalde im Tierheim Ladeburg aufgenommen worden. Wie auch andere Tiere wurde der Kater tierärztlich untersucht. Alles schien nach Routine auszusehen. Auch als Tom mit einem Chip-Lesegerät „gescannt“ wurde, um herauszufinden, ob er einen Chip trägt, ahnte noch niemand etwas von seiner ungewöhnlichen Vergangenheit. Tatsächlich wurde ein Chip gefunden, der unter der Haut implantiert ist. Das war noch nichts Ungewöhnliches, auch wenn dies bei Katzen so wie bei Hunden noch keine Pflicht ist, wie Frank Henning erläutert. Einige Katzenhalter nutzen diese Chance der Registrierung ihrer Tiere. Dies sei sehr zu empfehlen, so der Tierschützer. Bedauerlicherweise würden aber noch nicht einmal alle Hundehalter ihrer Pflicht nachkommen.
In diesem Fall aber wurde bei Tomi ein Chip gefunden und über das Tierregistrierungsportal „Tasso“ konnte der Kontakt zum Besitzer hergestellt werden. Denn dort war Tomi gleichfalls gemeldet worden. So bedeutete es keine Schwierigkeit mehr, das richtige Zuhause des Katers ausfindig zu machen und mit der erfreulichen Botschaft aufzuwarten.
Als Stefanie Pauli erfährt, dass Tomi wieder aufgetaucht ist, kann sie es erst gar nicht glauben. Am Freitagmittag holt die Lichterfelderin den Kater aus dem Tierheim in Ladeburg ab. „Ich hatte die Hoffnung nie aufgegeben“, sagt sie, als sie Tomi auf den Arm hält. „Er hat mich gleich wiedererkannt. Er ist noch der gleiche. Nur seine Augen sind sechs Jahre älter.“
In der Zwischenzeit hatte sie nichts unversucht gelassen, ihren entlaufenen Kater wieder zu finden. So gab sie beispielsweise Zeitungsanzeigen auf. Es meldeten sich auch viele, die einen schwarzen Kater aufgenommen hatten, Tomi war allerdings nicht darunter.
Der Kater ist heute 15 Jahre alt. An dem Abend, als er verschwand, hatte er noch sein Fressen bekommen und hatte eine Runde gedreht, war dann aber nicht mehr aufgetaucht. „Vielleicht ist er in ein Auto gestiegen“, vermutet Stefanie Pauli. Autofahren sei für ihn nichts Ungewöhnliches gewesen, bis in die Schweiz sei er einmal mitgefahren. Jetzt wurde er in Hammer, einem Ortsteil von Liebenwalde, von Kindern beziehungsweise  Jugendlichen am Wald gefunden. „Ich werde zu ihnen hinfahren und mich bei ihnen bedanken“, sagt Stefanie Pauli.
Was Tomi in den zurückliegenden Jahren erlebt hat, kann gegenwärtig nur vermutet werden. „Er ist aber überhaupt nicht verwildert“, sagt Frank Henning. Dass sich der Kater die zurückliegenden sechs Jahre allein durchschlagen musste, sei nicht zu vermuten. Vieles spreche dafür, dass er zwischenzeitlich Aufnahme gefunden habe. Dies geschehe öfter. Henning rät daher, auch in einem solchen Fall einen Tierarzt oder das Tierheim aufzusuchen. Dort kann mittels Chiplesegerät festgestellt werden, ob das Tier registriert ist und wer der Besitzer ist. Für alle Beteiligten sei dies der beste Weg, um unnötige Enttäuschungen zu vermeiden.
Für die Eingewöhnung von Tomi bei Stefanie Pauli gibt es nur gute Prognosen, zumal sie selbst als Tiermedizinische Fachangestellte in einer Tierarztpraxis beschäftigt ist. Auch mit ihrer anderen Katze wird es wohl keine Problem geben - ebensowenig wie mit dem Hund, der in der Familie lebt. Mit dem ist Tomi nämlich aufgewachsen.
Das Tierheim Ladeburg des Niederbarnimer Tierschutzvereins am Biesenthaler Weg 23 ist unter Tel. 03338 38642 zu erreichen. Das Portal Tasso ist im  Internet unter www.tasso.net zu finden