Bankenkrise, Wirtschaftskrise, Afghanistan-Einsatz – als Bundeskanzlerin hat man es in diesen Tagen nicht gerade leicht. Für die Wandlitzerin Nicole Bogott dennoch kein Grund, nicht einmal in die Rolle der mächtigsten deutschen Frau zu schlüpfen. Im kanadischen Vancouver leitete die 24-Jährige für eine Woche eine neunköpfige Delegation von Studenten, die sich auf einem G8/G20-Jugendgipfel über Themen der Weltpolitik verständigten.
Die Chance, an diesem Treffen teilzunehmen, ist einzigartig, weil es nicht nur eine jener vielen Simulationen ist, erzählt die zierlichen junge Frau. Schließlich sei es ein Ziel des Gipfels, dem Einfluss der jungen Stimmen auf die Politik der G8 und G20 zu erhöhen und immerhin bekomme man ja im Vorfeld auch reichlich Unterstützung aus dem Kanzleramt und dem Außenministerium.
Als „sehr aufregend und spannend“ beschreibt Nicole, die von einer Jury mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Medien gewählt wurde, dann auch die monatelange Zeit der Vorbereitung sowie ihren Aufenthalt in Vancouver. Ihr Geschäft glich dem der echten Kanzlerin dabei sehr. So musste sie etwa Positionspapiere gegenlesen, analysieren, vergleichen und dabei auch noch ständig mit ihren „Ministern“ in Kontakt bleiben, um sich abzustimmen. „Uns ist bewusst geworden, dass es wirklich gar nicht so leicht ist, einen Konsens zu komplexen globalen Herausforderungen zu finden“, weiß sie nun zu berichten.
Ob sie denn mit ihrer Rolle und den Ergebnissen zufrieden sei? „Sehr zufrieden“, sagt sie kurz. Sie hätten ihre wichtigsten Positionen einbringen können. Und auch die Vorbereitung der deutschen Delegation sei gelobt worden.
Das Abschlusspapier, in dem die Gipfel-Teilnehmer etwa den Aufbau einer Webseite und eines globalen Forums sowie das Einrichten eines internationalen Gesundheitsfonds fordern, wird im Übrigen Handlungsverantwortlichen in den entsprechenden Ländern vorgelegt.Vielmehr ist bei einem solchen Treffen wohl kaum zu erwarten.
Für die 24-Jährige, deren Mutter seit Jahren die Jugendherberge am Wandlitzsee leitet und die deshalb schon sehr früh mit vielen Jugendlichen anderer Nationalitäten in Berührung kam, soll die Simulation des G8/G20-Treffens jedoch nicht der einzige Berührungspunkt zur großen Politik gewesen sein. Ihr Bachelor-Studium der „Development Studies and 
International Relations“ führte sie bereits nach London, Istanbul 
und Chicago. Ein Master-Studiengang ist in Planung. Was sie nach ihrem Studium genau machen will, weiß sie allerdings noch nicht. „Ich möchte auf jeden Fall weiter in einem internationalen Umfeld arbeiten“, so viel ist Nicole aber bereits jetzt klar. Und thematisch? Da will sie sich auch künftig damit beschäftigen, wie die Zivilgesellschaft im globalen Rahmen noch stärker in politische Prozesse einbezogen werden kann.
Ob sie das denn irgendwann einmal als echte Bundeskanzlerin tut, will sie zumindest nicht ausschließen. „Ich bin für alles offen“, sagt sie. Und falls es damit nichts wird, kann sie ja auch wieder nach Wandlitz zurück kommen, denn dort wird derzeit, wenn auch im kleineren Maßstab und viel konkreter, auch darüber diskutiert, wie Einwohner der Gemeinde stärker zu Wort kommen können.
Verfolgt wird Nicoles Werdegang in ihrer alten Heimat jedenfalls intensiv. Zu den Eltern hat die 24-Jährige regelmäßig Kontakt. Auch wenn es manchmal wegen des Zeitunterschieds schwer fällt.
Aber auch Freunde und Gewerbetreibende unterstützen Nicole in ihrem Tun. So gaben einige Firmen etwa Geld, um ihre Reisekosten zum Jugend-Gipfel nach Kanada zu finanzieren. Wer weiß, vielleicht zahlt sich das ja irgendwann wirklich aus, wenn es heißt: Nicole Bogott, die Bundeskanzlerin aus Wandlitz.