Eine Tafel neben der Tür weist darauf hin: Seit dem 2. November können Gäste in der Casa Vicina – wie auch anderswo – nicht mehr am Tisch bewirtet werden. Stattdessen werden in dem italienischen Restaurant die Speisen zum Mitnehmen angeboten. Einzig: „Von dem Bisschen zum Mitnehmen kann man nicht leben“, sagt „Falcone“. Etwa 130 Gäste finden zu normalen Zeiten in seinem Restaurant in der Bernauer Breitscheidstraße Platz. Nun stehen im vorderen Gastraum die Stühle umgedreht auf den Tischen.
Nachfrage: Wie läuft das Geschäft mit der Abholung? „Beim ersten Lockdown kamen mehr Gäste“, erzählt der Gastronom. Er hat auch eine Vermutung, woran das liegen könnte. „Die Leute müssen sparen, weil viele Branchen jetzt in Kurzarbeit sind“, sagt „Falcone“. Seine Rettung sind seine Stammgäste. Dienstags und mittwochs kamen früher Stammtische in seinen Räumen zusammen – nun holen sie bei ihm Speisen zum Mitnehmen ab.
Dass er ihm Dezember sein Restaurant wieder für Gäste öffnen darf, daran glaubt „Falcone“ angesichts steigender Corona-Infektionszahlen nicht. Schade sei jedoch, dass er bereits im November für Gäste schließen musste, findet er.
Die Schließung der Gastronomie – für den Geschäftsführer ist das eine „schnelle Lösung“, aber keine gute. Wie eine gute hätte aussehen können? Indem die Zahl der Besucher sowie die Dauer ihrer Einkehr begrenzt würde, so „Falcone“.
Zustimmung kommt von Aris Chopsonidis von der Taverne Kreta in der Brauerstraße. Normalerweise ist in dem griechischen Restaurant Platz für 120 Gäste. Chopsonidis würde sich schon freuen, wenn er 50 Gäste bewirten dürfte – darf er aber nicht. Verständnis hat der Gastronom dafür nicht. „Im Supermarkt laufen die Leute Nase an Nase aneinander vorbei, aber wir müssen schließen“, schimpft er.
Die Einkehr im Restaurant, für den Gastronomen ist das auch eine Form von Freiheit. Im ersten Lockdown wurde in der Taverne Kreta ein Lieferdienst etabliert. Über den Sommer wurde das Angebot aufrechterhalten. Nun bewährt es sich wieder. Bestellungen gehen vor allem am Abend ein. Aber: „Das ist kein Gewinn, das ist Service“, sagt Chopsonidis.
Gewinne werden in der Gastronomie vor allem mit Getränken gemacht – die aber werden am Tisch vor Ort konsumiert. November und Dezember sind in der Branche umsatzstarke Monate, insbesondere Weihnachtsfeiern spülen Geld in die Kassen der Gastronomen.
Dieses Geschäft wird auch Van Bao Thai entgehen. Erst im Juni hat er sein Restaurant mit dem Namen Oma’s eröffnet – eine Hommage an die Großmutter in Vietnam, die ihm das Kochen beigebracht hat und ebenfalls in der Gastronomie tätig ist. Auf der Karte in Oma’s Restaurant in der Weißenseer Straße stehen asiatische Speisen. Lieferdienst und Abholung von Speisen werden seit der Eröffnung angeboten. Bestellungen gehen vor allem am Abend ein. „Wir haben zu tun“, sagt Thai.
Durchhalten – das ist seine Parole. Mitarbeiter, Miete, Versicherung, all das muss weiterhin bezahlt werden. Das Gute ist: Essen muss jeder. Doch der Gastronom weiß auch: „Man muss gut kochen. Wenn man schlecht kocht, dann kommen die Kunden nicht.“