Diese Liebe basiert wirklich auf Gegenseitigkeit: Bereits zum dritten Mal besuchte Kathy Kelly die Hussitenstadt, um mit den Bernauer Sängern gemeinsam aufzutreten. Beim letzten Treffen vor zwei Jahren kam von ihr die Anregung zu einem Weihnachtskonzert - am Donnerstagabend war es nun so weit. In einer teilweise doch recht kühlen Kirche pressten sich die Gäste auf den Sitzplätzen aneinander - durch doppelte Kartenverkäufe war es unübersehbar zu Platzproblemen gekommen. "Wir saßen so eng, da war kaum Platz zum Klatschen", bemerkte beispielsweise Michaela Cuno etwas überrascht.
Das eigentliche Musikerlebnis wurde dadurch aber nicht getrübt, zumal Kathy und Paul Kelly mit Beginn ihres Konzertteiles zu einer Abenteuerreise durch das schottische Hochland und die unberührten Landschaften Irlands einluden. Spirituals und irische Traditionals zauberten so eine eher tragende Atmosphäre. Paul Kellys Solostücke auf dem Dudelsack erinnerten spontan an Filmmusiken aus "Braveheart" und damit an den schottischen Freiheitskämpfer William Wallace.
Einige Lieder des Abends stammen aus der Zeit der gemeinsamen Auftritte im Familienverbund, so wurde der Song "Amazing Grace" bereits erstmals 1980 von der Kelly-Family eingespielt. "Das ist die Geschichte eines Sklavenhändlers, der durch einen Sturm mit wenigen Überlebenden zum Schiffsbrüchigen wird und durch dieses Ereignis zum Glauben findet und zum Prediger wird", wusste Rolf Benndorf aus Biesenthal über dieses Lied zu berichten. Er hatte die Konzertkarten von Freunden geschenkt bekommen und zeigte sich überaus angetan. "Das Konzert gefällt mir sehr gut, wenngleich das Publikum noch etwas reserviert erscheint", so Benndorfs Einschätzung zur Pause.
Im zweiten Teil des Abends legte das Publikum seine Zurückhaltung weitestgehend ab. Zunächst lieferten die 70 Bernauer Sänger erneut einen Beweis ihrer gesanglichen Stärke und ernteten mit Leonard Cohens "Hallelujah" stürmischen Beifall. Kathy Kelly nahm diese neue Lockerheit auf, intonierte spanischen und englischen "Gassenhauer", begleitete sich selbst auf der Gitarre oder dem Akkordeon und riss das Publikum mit ihren feurigen Liedern mit.
Gänsehaut-Atmosphäre dann im letzten Drittel. "An Angel", "Oh, Holy Night", "Leise rieselt der Schnee" und "Stille Nacht" in deutscher, spanischer und englischer Version - mit diesen Liedern zog tatsächlich der süße Vorgeschmack des bevorstehenden Weihnachtsfestes durch das Kirchenschiff. "Ein bewegendes Konzert", jubilierte hinterher Chorleiter Andreas Wiedermann zufrieden und Hanna Bähring vom Chor bekannte hocherfreut: "Nach so einem Konzert geht man beschwingt nach Hause." Der Mehrzahl der 750 Besucher dürfte es ähnlich ergangen sein, wenngleich sie vor der Kirche von hässlichem Regen empfangen wurden.