Als der Ausschuss Anfang März die Fördergelder der Stadt für soziale und kulturelle Projekte, zur Unterstützung der Kinder- und Jugendarbeit sowie an Sportvereine verteilte, gab es bei den Anträgen der Jüdischen Gemeinde Barnim und des Vereins "Diamant" - beide von Diana Sandler unterschrieben - energischen Widerspruch. Insbesondere Ausschussmitglieder, die für die Linken in dem Gremium sitzen, plädierten dafür, die Anträge beider Vereine abzulehnen und das Geld anderen zukommen zu lassen. Letztlich wurde beschlossen, Diana Sandler als Vertreterin der Antragsteller zu einer Anhörung einzuladen. Die Ausschussmitglieder wurden aufgefordert, ihre Fragen zuvor schriftlich zu stellen.
Davon machten einige ausführlich Gebrauch. Drei Fragekomplexe stellte Hauptamtsleiterin Viola Lietz zusammen, die Diana Sandler nun beantworten sollte.
Zunächst ging es um sie persönlich. In wie vielen Vereinen und Organisationen, die bei der Stadt Fördermittel beantragten, sei sie in leitenden Positionen tätig? Wie viele Mitglieder dieser Vereine und Organisationen seien in mehr als einem von ihr geführten Verein Mitglied? Dann ging es weiter: Gefragt wurde nach den prägnantesten Unterschieden zwischen den einzelnen Interessengemeinschaften, welche Vorteile eine Trennung der Vereine mit sich bringe, ob in den vergangenen fünf Jahren EU-Fördermittel beantragt wurden?Und schließlich wurde Diana Sandler aufgefordert "nachweisen", dass es sich bei den für 2015 geplanten Veranstaltungen von Jüdischer Gemeinde und "Diamant" um verschiedene von einander abgegrenzte Projekte handelt - immerhin würden sich die Vereine dieselben Räumlichkeiten teilen. Und nicht zuletzt wurde ihr - in Fragen gekleidet - vorgeworfen, keine Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Die Internetseiten seien unaktuell, nirgends würde erwähnt, dass die Stadt Bernau beide Vereine fördere...
Diana Sandler, die nur sehr gebrochen deutsch spricht, hatte sich ausführlich vorbereitet und alle Fragen schriftlich beantwortet. Dennoch war sie aufgeregt. Und auch den Zuhörern im Saal wurde von Frage zu Frage, die Ausschussvorsitzende Christine Poppitz verlas, immer deutlicher, dass es bei dieser Anhörung nicht, wie bei anderen Anhörungen des Ausschusses in der Vergangenheit - um die Arbeit der Vereine ging, sondern darum, Jüdische Gemeinde und "Diamant"-Verein vermeintlich "unlautere" Geschäfte nachzuweisen. Dahinter, das war vielen klar, steckt ein jahrelanger ideologischer Kampf. Auf der einen Seite stehen vor allem junge Linke, Sympathisanten des Jugendklubs "Dosto", auf der anderen Seite Péter Vida (Unabhängige), dem die Aktivisten des "Dosto" immer wieder vorwerfen, ein "Rechter" zu sein.
Vida, Vorsitzender des Beirates für Migration und Integration des Landkreises Barnim, kümmert sich seit Jahren um die Jüdische Gemeinde und um den Verein "Diamant". Er arbeitet eng mit Diana Sandler zusammen - mehr als ein Dorn in den Augen seiner Widersacher, die nun wie Benno Schwigon, Sozialarbeiter im "Dosto", oder Irene Köppe, Bundesvorstandsmitglied der Linke-Jugendorganisation Solid, als sachkundige Einwohner im Bernauer Sozialausschuss sitzen.
Es war letztlich Ulf Makarski (B90/Grüne/Piraten), der dem unwürdigen Schauspiel nach mehr als einer Stunde ein Ende setzte und sich mit seinem Geschäftsordnungsantrag, die Anhörung von Diana Sandler abzubrechen, durchsetzte. Ausschussvorsitzende Christine Poppitz (Linke) bekannte: "Ich bin mit dieser Anhörung sehr unglücklich. Mich stören die Fragen, die hier gestellt wurden. Wir geraten in einen Ruf, dass wir gegen die beiden Vereine etwas haben." Adelheid Reimann (SPD) stellte fest: "Das ist ganz schön mies gelaufen. Ich werde mich an so etwas nicht mehr beteiligen." Irina Feldmann (CDU), die von Anfang an gegen die Anhörung war, "weil ich weiß, was Frau Sandler leistet - ich habe mir das angesehen", sieht allein in der Vorladung der beiden Vereine eine Ungleichbehandlung. "Wir haben den größten Teil der Förderanträge durchgewunken. Da ist es schon eine Wertung, wenn ein Verein hier zur Anhörung erscheinen muss", bekräftigte sie ihre Auffassung.