Im Bereich Wandlitz ging es schon am Nachmittag rund. Betroffen waren vor allem die Ortsteile Klosterfelde und Stolzenhagen, die vom Sturm arg gebeutelt wurden. In Stolzenhagen krachte unter anderem ein Baum auf ein Grundstück.
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Während es in Wandlitz schon heftig krachte, war es im nahe gelegenen Bernau am Nachmittag noch ganz ruhig. Von Gewitter war kaum etwas zu merken, höchstens die schwüle Luft deutete Wetterveränderungen an. In Bernau kam das Unwetter erst gegen 22 Uhr an. Dann aber mit Wucht. Innerhalb von Sekunden kam erst der Sturm, dann der Regen, der mit großer Wucht gegen Fenster und Türen trommelte.
Blitze zuckten über den Himmel und ließen die Stadt in hellem Licht erstrahlen. Stürme peitschten Laub und Äste über die Straßen und Felder und in Sekundenschnelle füllten sich Gullys und Gräben mit Wasser.
Über 200 Notrufe gingen in der Leitstelle Barnim ab dem Mittag bis spät in die Nacht ein. "Damit war die Leitstelle an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt", schildert Oliver Köhler, Sprecher in der Kreisverwaltung.
Der Großteil der Notrufe kam aus dem Gebiet Oberhavel, welches die Leitstelle Eberswalde mit abdeckt. 44-mal sind Feuerwehren jedoch auch im Barnim ausgerückt.
Meist mussten die Feuerwehrleute überflutete Straßen sperren, voll gelaufene Keller abpumpen oder große Äste und ganze Bäume weg räumen.
Das Unwetter sorgte auch für Verzögerungen im Bahnverkehr. In der Nacht stürzte ein Baum auf der Bahnstrecke zwischen Bernau und Rüdnitz in die Oberleitung. "Ab 22 Uhr mussten wir die beiden Gleise sperren", erklärt Burckhard Ahlert, Sprecher der Deutschen Bahn. "Um 5.15 Uhr am Mittwoch war der Schaden beseitigt und wir konnten die Strecke wieder frei geben."
Weitere Gewitter seien aber vorerst nicht zu erwarten, sagt MOZ-Wetterexpertin Jana Brandt. "Die Wetterlage beruhigt sich in den kommenden Tagen deutlich", sagt sie voraus. Bis zum morgigen Freitag werde es sich abkühlen und es stellt sich trockenes und kühleres Wetter ein.
"Die Gewitter sind entstanden, weil sich kühle Atlantikluft in unsere Region gedrängt hat und hier auf die heißen Luftmassen getroffen ist. Dort, wo solche heißen und kühleren Luftmassen aufeinanderprallen, kommt es zu Verwirbelungen, wenn die warme Luft nach oben steigt und die kühle absinkt. Es bilden sich starke Wolken und es kommt zum Gewitter", erläutert sie, was sich beim Unwetter abspielt. Je größer die Temperaturunterschiede zwischen den Luftmassen sind, desto heftiger werde das Unwetter.
Die heißen Tage allerdings, betont Jana Brandt, seien für die Jahreszeit völlig normal gewesen. "Wir befinden uns derzeit in den so genannten Hundstagen. In dieser Zeit sind Temperaturen über 30 Grad normal."
Die Hundstage nennt man die Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August. In dieser Zeit ist das Sternbild "Großer Hund" am Himmel zu sehen, der dieser Zeit ihren Namen gab.
"Gewitter treten meistens in der Zeit von Juli bis August/September auf, danach werden sie seltener", verrät die Wetterexpertin.
Dem Sturm nicht Stand gehalten: Der Ort Stolzenhagen bei Wandlitz war ein Schwerpunkt des Unwetters. Hier stürzte unter anderem eine Kiefer auf ein Wohngrundstück. Die Feuerwehr eilte zur Hilfe.Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
44 Notrufe bei der Leitstelle / Baum kracht auf die Oberleitung der Bahnstrecke nach Rüdnitz
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