Dazu erzählt und liest Prof. Kaltenborn zuerst - ganz der Pastor - aus dem alttestamentarischen Buch Jessaja. Da geht es grausig zu, denn bösartige, sechsflügelige Seraphim, zu Deutsch etwa „Brandwesen“ - umschwirren Gott als Berater und verbreiten religiösen Terror, indem sie Menschen töten, die sich ein allzu loses Mundwerk leisten. Jessaja  bekommt die Lippen mit einer glühenden Kohle verbrannt, bevor er für würdig befunden wird, Gottes Wort auf Erden zu verkünden. Dort gelte es, den Menschen die Augen und die Ohren zu verkleistern, um sie auf Kurs zu bringen, und alles zu vernichten, damit aus den Baumstümpfen neues Leben und neue Hoffnung sprießen kann - so Jessajas göttliche Jobbeschreibung.
Das ist starker Tobak, zumal das Publikum in der Galerie Bernau am Freitagabend nicht nur aus bibeltreuen Christen besteht. Prof. Kaltenborn versteht das als Anregung für eine Diskussion  über die Frage, wie man die Welt im positiven Sinne verändern kann. Bei seinen Zuhörern stößt er zunächst auf kaum verhohlenes Unverständnis. Später erläutert er, der Bibeltext habe provozieren sollen, wobei fraglich bleibt, ob es dazu gleich den alttestamentarischen Holzhammer braucht.
Zuerst herrscht nach Kaltenborns Ausführungen nämlich eine Zeitlang betroffenes Schweigen. Eine Zuhörerin ergreift dann zögernd das Wort, aber niemand mag daran anknüpfen. Der Professor füllt das Vakuum zunächst selbst. Eloquent und temperamentvoll erklärt er, gegen globale Waffenschmieden und Großkonzerne habe sich bei vielen Menschen ein Gefühl der Ohnmacht ausgebreitet. Dagegen brauche man keine „Alternative für Deutschland“, sondern eine „Alternative für die Welt“. Kein „Opium des Volkes“. Ein mildes Narkotikum, durchaus im Sinne der Religion, sei aber durchaus wünschenswert, um Verrückte zu sedieren und das heilende Werk der Bazillen im Dienste des Guten zu ermöglichen. Der Status quo dürfe kein Status für die Zukunft des Planeten sein.
Danach entwickelt sich tatsächlich eine lebhafte Aussprache, in der verschiedene Aspekte des allgemeinen Wahnsinns ausführlich beleuchtet werden. Ein Teilnehmer meint schließlich, er wünsche sich angesichts der herrschenden Zustände kein Narkotikum, sondern Kaffee. Wenn der Abend die Kampfbereitschaft der anwesenden „Bazillen“ erhöht hat, dann wurde zwar die Welt noch nicht gerettet, aber ein Schritt in die richtige Richtung getan.