Waren es im Jahr 2015 nur 98 Fahrzeuge, die auf den Straßen zwischen Zerpenschleuse und Ahrensfelde mit elektrischem Antrieb unterwegs waren, wurde im vergangenen Jahr die 1000er Marke geknackt.
Besonders groß war der Zuwachs in den vergangenen drei Monaten: Da hat sich die Zahl von 1350 (Oktober 2019) bis auf 1639 (Januar 2020) E-Autos erhöht, also um fast 300.
Einschränkend hinzufügen muss man allerdings: Von den aktuell 1639 zugelassenen Fahrzeugen, die im Barnim in die Kategorie der E-Autos fallen, haben nur 450 einen reinen Elektromotor. Die weiteren 1189 setzten auf einen Hybridantrieb. Das sind Autos, die zusätzlich zu einem klimafreundlichen Elektromotor auch noch einen Verbrenner verbaut haben.
Auch der Anteil von E-Autos an den Gesamtzulassungen ist im Barnim weiterhin übersichtlich. Er betrug zum Jahresende knapp 1,1 Prozent, hat sich in den vergangenen Jahren aber deutlich erhöht. Damit folgt der Barnim einem deutschlandweiten Trend.
In Brandenburg wuchs der Anteil der Elektro-Pkw an allen Neuzulassungen im vergangenen Jahr auf rund 1,4 Prozent. Insgesamt wurden in der Mark 2019 laut Kraftfahrtbundesamt 889 E-Autos neu zugelassen, das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von fast 30 Prozent. Auch Bundesweit steigt der Kauf von E-Autos. Hier lag der Anteil bei den Neuzulassungen bei 1,7 Prozent. In den Jahren davor waren es noch 1,0 (2018) und 0,7 (2017).
Was den Barnim betrifft, gibt es einige E-Auto-Hochburgen. Spitzenreiter bei Fahrzeugen mit alternativen Antriebsarten ist die Stadt Bernau mit 294. Dahinter folgen Eberswalde mit 254, das Amt Biesenthal mit 245 und die Gemeinde Wandlitz mit 228.
Biesenthal fährt vornweg
Interessant ist: Richtet man den Blick nur auf die reinen Elektroautos, dann thront eine Gemeinde über allen: das Amt Biesenthal. Hier sind stolze 170 Fahrzeuge unterwegs, die ihren Kraftstoff lediglich aus der Steckdose beziehen. Auf Platz zwei liegt – mit großem Abstand – Eberswalde mit 76 reinen E-Autos. Es folgen Bernau (58) und die Gemeinde Panketal (40) sowie Wandlitz und Ahrensfelde (je 30).
Landrat Daniel Kurt (SPD) begrüßt die Zunahme an E-Autos im Barnim: "In Sachen Mobilität haben wir im vergangenen Jahr mit der BARshare-Initiative einen großen Schritt nach vorn gemacht. Hier wollen wir weiter Vorreiter sein. Es ist schön zu sehen, dass das Umdenken in den Köpfen nun auch den privaten Sektor erreicht hat und immer mehr Menschen auf Elektrofahrzeuge oder Fahrzeuge mit Hybrid-Motor zurückgreifen. Darauf können wir aufbauen."
Kurth verweist darauf, dass es ein langer Prozess sei, um Gewohnheiten zu verändern. Deshalb setze sich der Barnim mit seiner Strategie "Erneuer:BAR" bereits seit 2007 für nachhaltige und grüne Technologien ein. "Langfristig setzen wir jedoch auch auf die Nutzung von Wasserstoff, den wir aus überschüssigem Windstrom produzieren wollen", betont Kurth. Konkret heißt das: Der Kreis will gern Busse, Bahnen und Abfallentsorgungsfahrzeuge mit Wasserstoffbetrieb anschaffen. Man bemüht sich bereits um Fördermittel bei Bund und Land.
Neue Ladestationen geplant
Ausgebaut werden soll im Barnim auch die Ladeinfrastruktur. Geplant sind laut Saskia Schartow von den Kreiswerken insgesamt 13 neue Ladestationen. Vier davon sollen in Eberswalde entstehen, dazu jeweils zwei in Stolzenhagen, Lunow, Tuchen, Ruhlsdorf und eine in Melchow.
Weitere Ladepunkte sind auch notwendig, urteilt der ADAC Berlin-Brandenburg. "Im Barnim wie auch in den anderen brandenburgischen Landkreisen ist die Versorgung mit Stromtankstellen nicht ausreichend", sagt Sprecherin Sandra Hass. Für den flächendeckenden Einsatz von elektrischen Fahrzeugen, egal ob Plug-in-Hybride oder Batteriefahrzeuge, sei der Infrastrukturausbau aus Sicht des ADAC mehr als verbesserungswürdig. Das gelte auch deshalb, da in ländlichen Regionen deutlich mehr Menschen auf das Auto für ihre individuelle Mobilität angewiesen seien, so die ADAC-Sprecherin.
Laut Bundesnetzagentur gibt es in Brandenburg aktuell 213 Ladestationen, 14 davon im Barnim. Ganz vorn unter den Landkreisen rangiert die Uckermark mit 38 Ladesäulen, Potsdam-Mittelmark kommt auf 29. Weniger gering ist die Dichte an Ladesäulen in anderen Kreisen wie Märkisch-Oderland (9) und Oder-Spree (6).

Die Verteilung von E-Autos im Barnim