Bernau/Eberswalde (MOZ) In Eberswalde mehren sich die Befürchtungen, dass das Landeskriminalamt (LKA) im Zuge der Polizeireform Schritt für Schritt aus der Barnim-Kreisstadt abgezogen und in Potsdam-Eiche mit Millionenaufwand neu angesiedelt werden soll. Der Linke-Politiker Carsten Zinn hatte öffentlich in der Eberswalder Stadtverordnetenversammlung geäußert, er habe erfahren, dass das Landeskriminalamt zentralisiert werden soll. Demnach würde nur eine Abteilung in Eberswalde verbleiben. Alle anderen würden ausgelagert. Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) ist alarmiert. Doch in Potsdam wehrt Innenminister Rainer Speer (SPD) alle Gerüchte ab. Gleich am Morgen nach Zinns Äußerungen in der Stadtverordnetenversammlung klingelte bei dem Barnimer Landtagsabgeordneten Gregor Beyer (FDP) das Telefon. Sein Parteifreund, Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski, war aufs höchste beunruhigt. Zinn sei keiner, der irgend etwas daherrede, so Boginski. Wenn das LKA abziehe, sei das eine Katastrophe für die Stadt. Doch auch Beyer konnte in Potsdam bislang keine Anhaltspunkte dafür finden, dass solche Pläne existieren. Und Hans-Jürgen Scharfenberg, innenpolitischer Sprecher der Linken im Landtag, bestätigt: „Davon höre ich zum ersten Mal. Aus meiner Sicht macht ein solcher Umzug überhaupt keinen Sinn.“ Sven Petke, für die CDU Mitglied im Innenausschuss des Landtages, wehrt ab: „Ich nenn’ das Nebelbomben werfen.“ Und aus dem Innenministerium kommt die stereotype Antwort, die im Zusammenhang mit der Polizeireform immer kommt: „Struktur- und Standortfragen im Rahmen der anstehenden Polizeireform können verständlicherweise erst nach Entscheidung eines abschließenden Konzepts zur neuen Organisation beantwortet werden. Ein solches Konzept liegt noch nicht vor. Bis dahin werden wir uns nicht äußern.“ Vorstellen kann sich kaum jemand, dass das LKA aus Eberswalde abgezogen wird. Immerhin sind in den zurückliegenden Jahren rund 24 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt in das Behördenzentrum an der Tramper Chaussee geflossen. Erst im Sommer 2007 hatte Volker Bargfrede, Kaufmännischer Geschäftsführer des Brandenburgischen Landesbetriebes für Liegenschaften und Bauen (BLB), das sanierte und neu errichtete Gebäude für das Kriminalwissenschaftliche Zentrum des LKA in Eberswalde übergeben. Über 100 Kriminaltechniker, 65 Experten aus Berlin-Johannisthal und rund 40 aus Basdorf, dem allerersten LKA-Sitz, zogen damals nach Eberswalde – dorthin, wo auch schon andere Ermittler und die Führung des Landeskriminalamtes saßen. Polizei-Experten nutzten fortan drei komplett sanierte Altbauten und vier Neubauten. Die bestehenden Altbauten wurden durch Verbindungsgänge miteinander kombiniert. „Das gesamte LKA befindet sich endlich an einem Standort“, wurde damals gejubelt. Einzig die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hielt die Entscheidung für falsch und kritisierte sie heftig. Es sei ungewöhnlich, ein LKA an die Peripherie zu verlegen, hieß es damals. Gleichwohl hat Brandenburgs GdP-Chef Andreas Schuster inzwischen seinen Frieden mit dem Standort Eberswalde geschlossen. Die Gerüchte um eine erneute LKA-Verlegung nach Potsdam-Eiche entbehrten „jeglicher Grundlage“, sagt er. Schuster muss es wissen, sitzt er doch in der Expertenkommission, die Innenminister Rainer Speer (SPD) in rund sechs Wochen einen Vorschlag zur Reformierung der Brandenburger Polizei vorlegen soll. Dafür ist die Marschrichtung klar. Bis 2020 soll der Personalbestand von aktuell 8873 Beamten auf 7000 verringert werden. Von der Zusammenlegung der beiden Polizeipräsidien ist die Rede, von der Reduzierung der Zahl der Schutzbereiche und der Umwandlung von 24-Stunden-Wachen in Dienststellen, die nur am Tage besetzt sind. Auch die Polizeiwache in Eberswalde steht in diesem Zusammenhang zur Disposition. Nicht nur deshalb steht Schuster einem LKA-Umzug nach Potsdam skeptisch gegenüber. Dessen Mitarbeiter hätten sich mittlerweile in Eberswalde etabliert und viele hochqualifizierte Spezialisten ihren Lebensmittelpunkt in den Barnim verlegt, führt der Gewerkschaftschef an. „Ein Marschbefehl zurück nach Potsdam würde bei Ihnen mit Sicherheit Unverständnis und Unruhe auslösen.“ Und dann ist da ja vor allem die Finanzmisere, in der das Land steckt. „Das würde noch einmal die gleiche Summe oder wegen der gestiegenen Preise noch mehr kosten, in Potsdam-Eiche einen kompletten Neubau in gleicher Größe wie in Eberswalde hinzusetzen“, ist sich Schuster sicher.