Für die meisten Mitglieder des Planungsausschusses war es am Montag eine weite Anreise. Denn erstmals wurde in der Kulturbühne "Goldener Löwe" in Wandlitz getagt. Aus gutem Grund hatte Bürgermeisterin Jana Radant in ihre Gemeinde geladen. Schließlich gibt es auch dort großen Widerstand gegen die Aufstellung neuer Windkraftanlagen im Liepnitzwald sowie in Stolzenhagen und Klosterfelde.
"Wir werden unseren Protest fortsetzen, darauf ist Verlass", betonte bereits vor der öffentlichen Ausschusssitzung Hans-Jürgen Klemm von der Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald". Und er freute sich, "dass dieses Mal besonders viele Windkraftgegener gekommen sind." "Auch wir begleiten die Planungen schon lange und wollen uns über den aktuellen Stand informieren", erklärte Rainer Ebeling von der Bürgerinitiative Crussow. "Bei uns gibt es schon 13 Windräder und noch einmal genauso viele sollen hinzukommen", berichtete Hartmut Konipanzki aus Crussow.
Alle drei meldeten sich während der Bürgerfragestunde zu Wort, um wiederholt ihren Unmut gegen die Planungsziele vorzutragen. Klemm wollte wissen, weshalb jetzt noch für ein Gebiet geplant wird - er bezog sich dabei auf eine Fläche in Stolzenhagen und Klosterfelde - obwohl bereits feststeht: das Gelände wird künftig nicht mehr als Windeignungsgebiet ausgewiesen. Claudia Henze, Chefin der Regionalen Planungsstelle, machte deutlich: "Die bestehende Regionalplanung gilt eben so lange, bis es eine neue gibt, das ist gesetzlich so vorgeschrieben."
Noch viele Bürger meldeten sich zu Wort - Gegner, aber auch Befürworter der Stromriesen. Gefragt wurde unter anderem, ob denn wirklich alle Belange des Tier- und Naturschutzes untersucht wurden. Ein Besucher aus der Uckermark, der sehr viel Hoffnung in die neuen Anlagen setzt, schlug vor, bereits jetzt Flächen freizugeben, bei denen ein Konsens zwischen Bürgern, Gemeinden und Landkreisen herrscht. Das sei nicht möglich, machte Claudia Henze deutlich. "Unsere Auftrag lautet schließlich, ein schlüssiges Gesamtkonzept zu erarbeiten." Und immer wieder wollten die Besucher wissen, warum das ganze Verfahren so lange dauert.
Wie berichtet, wird seit Jahren um einen neuen Windplan gerungen. Zustande kommt er bislang nicht, weil ständig neue Erkenntnisse hinzukommen, die in den Entwurf eingearbeitet werden müssen. Dazu zählen unter anderem der Schutz von seltenen Vögeln. Zudem wurden beispielsweise die Mindestabstände zwischen den Windfeldern verändert.
Während der jüngsten Sitzung des Ausschusses wurden wieder neue Erkenntnisse präsentiert und erneut Änderungen des Entwurfs vom 4. März 2013 vorgeschlagen. Grundlage ist ein sogenanntes faunistisches Gutachten. "Es gibt neue Tierökologische Datengrundlagen und Bewertungen", betonte Dirk Felgenhauer von der Regionalen Planungsstelle. Eine Rolle spielen zudem Anforderungen des Deutschen Wetterdienstes.
Felgenhauer erläuterte unter anderem einen Abwägungsvorschlag, der Flächen im Norden der Uckermark und im Südosten des Barnim betrifft, auf denen es bereits eine hohe Konzentration von Windanlagen gibt. Er kommt zu dem Schluss: "Der Schutz des Landschaftsraumes soll dort Vorrang vor einer großräumigen technogenen Überprägung haben. Deshalb wäre es sinnvoll, dort keine neuen Windeignungsgebiete festzulegen." Das betreffe unter anderem die Ämter Brüssow und Gramzow, ebenso die Stadt Werneuchen und angrenzende Bereiche.
Für Unmut bei einigen Ausschussmitgliedern und beim Publikum sorgte ein Antrag von Gerd Regler, Bürgermeister von Berkholz-Meyenburg. Er setzte sich dafür ein, dass Passow-Landin als Windeignungsgebiet aufgenommen wird. Mehrheitlich wurde seine Idee abgeschmettert. "Er soll seine Vorschläge schriftlich einreichen", forderte Ausschussvorsitzender Frank Bretsch. Maria Brandt aus Wandlitz: Ich verstehe die Verzögerung nicht, das Gebiet könnte andere entlasten.