Ursprünglich sollte die überarbeitete Hundesteuersatzung bereits im Februar von der Stadtverordnetenversammlung abgesegnet werden. Doch weil die Linken zu Melde- und Jagdhunden auch Rettungshunde in den Kreis der begünstigten Tiere aufgenommen wissen wollten, wurde die gesamte Vorlage zur erneuten Behandlung in die Ausschüsse verwiesen. Und siehe da: Neben den Linken reichten auch die Bündnisgrünen weitere Sachanträge zur Abänderung der Satzung ein.
Als erste hatten die Mitglieder des Sozialausschusses die Vorschläge auf dem Tisch - kurz vor Beginn ihrer Sitzung am Montag. Was die Schönowerin Adelheid Reimann (SPD), von der langwierigen Debatte um die Hundesteuer ohnehin genervt, gleich zu Beginn verkünden ließ: "Ich werde mich an dieser Diskussion nicht beteiligen!"
Dafür begründete Michelle Petroll (Linke) noch einmal, warum es mehr als gerecht ist, Besitzer von Rettungshunden, die ehrenamtlich im Einsatz sind, um Menschenleben zu retten, von der Steuerzahlung auszunehmen. Auch die in der Vorlage der Stadtverwaltung enthaltene Staffelung - für einen Hund sollten 60 Euro, für zwei Hunde jeweils 80 Euro und für drei und mehr Hunde jeweils 100 Euro Steuern pro Jahr gezahlt werden - hielt die Linke für ungerecht. 60 Euro für jeden Hund, egal, wie viele sich in einem Haushalt befänden, müsse als Abgabe genügen, stellte sie fest. Und sie hatte auch genau ausgerechnet, was dieser Nachlass die Stadt kosten würde. Nach den Angaben aus der Stadtverwaltung sind 2019 Ersthunde gemeldet. Die spülen 121140 Euro pro Jahr in die Stadtkasse. Bei 125 Zweithunden und einer Steuer von 60 Euro im Jahr würde Bernau 7500 Euro einnehmen und damit 2500 Euro weniger, als wenn die Steuer 80 Euro betragen würde. Und bei zurzeit acht in Bernau gemeldeten Dritthunden würde die Einnahmedifferenz ganze 320 Euro betragen. Insgesamt käme die Stadt also bei einer einheitlichen Steuer von 60 Euro pro Hund und Jahr auf 2820 Euro Mindereinnahmen, listete Michelle Petroll auf.
Einig war sich die Linke mit dem Bündnisgrünen Thomas Dyhr darin, dass auch Hundehalter, die ihre Tiere aus dem Tierheim Ladeburg holen, steuerlich begünstigt werden müssen. Während die Linke eine generelle Befreiung wollte, schlug der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Grüne/Piraten eine befristete Befreiung von der Hundesteuerpflicht für vermittelte Hunde aus dem Tierheim Ladeburg vor. Damit solle ein Nachfrageanreiz für Tierheimhunde geschaffen werden, argumentierte er. "Für acht und mehr Jahre alte und versehrte Tierheimhunde, die kaum noch vermittelbar sind, soll eine lebenslange Steuerbefreiung gelten", regte Thomas Dyhr an. Damit werde einerseits dem Erwerber eines solchen Hundes ein gewisser Ausgleich für erhöhte Medikamentenausgaben geboten und andererseits auch eine Kostenentlastung auf Seiten des Tierheimes bewirkt.
Schließlich setzte Michelle Petroll noch eins drauf: "Für Hunde mit dem Nachweis einer bestandenen Begleithundeprüfung wird eine Steuerbefreiung von einem Jahr gewährt", beantragte sie. Auch dieser Antrag fand im Ausschuss eine Mehrheit. Das letzte Wort sprechen allerdings die Stadtverordneten am 10. März.