Ingo Postler und Heino Runge aus Eberswalde waren auch dabei. Ein Bustransfer brachte sie und ihre Räder nach Panketal. Für Heino Runge war es bereits die sechste Tour. Er freute sich vor allem aufs Plaudern mit alten Bekannten und neuen Teilnehmern, denn das sei bei dem gemächlichen Tempo von rund 15 km/h durchaus möglich. Tatsächlich sei die politische Brisanz bei der ersten Tour im Jahr 2001 deutlicher zu spüren gewesen, erzählt er. In ihrem Entstehungsjahr war die Tour de Tolérance eine Reaktion auf ausländerfeindliche Übergriffe in Eberswalde.
Cassandra Hube, Verantwortliche für Jugend, Kultur und Sport in der Gemeinde Panketal, ist Teil des Organisationsteams um die Begründer Günter Grützner und Petra Bierwirth. Bereits im Januar habe man mit der Organisation begonnen und sich dabei wertvolle Tipps von den Ausrichtern der letzten Jahre geholt. 315 Teilnehmer ließen sich in der Mensa der Zepernicker Gesamt- und Grundschule registrierten. Viele fuhren aber auch ohne Nummer mit oder stießen auf der Tour dazu. Hube spricht von einer "politischen Demonstration", an der jeder auch spontan teilnehmen könne. Schließlich, erklärt sie, könne die Gemeinde auf diese Weise ihren offenen und toleranten Charakter unterstreichen. Bis auf kleinere Zwischenfälle verlief die Tour de Tolérance problemlos. Der Fahrradladen Kattanek, der die Tour begleitete, musste nur zwei Reifenpannen vermelden. Allerdings verzögerte ein Zusammenprall zweier Fahrer die Weiterfahrt. Ein Teilnehmer brach sich dabei den Arm.
Auf dem Gemeindefest am Sportplatz eingetroffen, wurde der Öffentlichkeit von Panketals Bürgermeister und Tourteilnehmer Rainer Fornell eine Multifunktionsfläche übergeben. Die Fläche ist für Ballspiele und Inline-Hockey geeignet. Sie ist jedoch erst der Beginn eines größeren Projekts, das den Ausbau eines Teils des Sportplatzes an der Straße der Jugend vorsieht.
Nicht nur sportlich, auch umweltbewusst präsentierte sich die Gemeinde. Im Oktober 2007 siedelte die Fachhochschule Eberswalde zusammen mit der Agrar GmbH Crawinkel aus Thüringen schottische Hochlandrinder, Konikpferde und Wasserbüffel auf einer 50 Hektar großen Pilotfläche in den Rieselfeldern an. Weil ein Rind zwei Hektar Weideland hat, wird die Fläche nicht kahl gefressen. Stattdessen pflegen die großen Pflanzenfresser die Landschaft. Mehr Licht gelangt durch stetiges Grasen auf den Boden und schafft neuen Lebensraum für bestimmte Pflanzen und kleinere Tiere, wie Insekten oder Vögel, erklärt Mitarbeiter Marcel Schmidt auf einer Kutschfahrt durch die Felder. Feldlerche, Rebhuhn, Fasan und Kranich sollen sich in den Rieselfeldern wohl fühlen. Geschäftsführer der Agrar GmbH Heinz Bley ist zugleich Pächter der Flächen, auf denen die Tiere eingesetzt werden.
Der alte Speicher und die Scheune, ehemalige Zentren des Gutshofs, dokumentieren nun das Projekt "Beweidung der Rieselfelder" und können nach Absprache besichtigt werden. In Thüringen ist diese naturnahe Landnutzung bereits erfolgreich. "Zahlreiche Tiere, die auf der roten Liste verzeichnet sind, konnten wieder bei uns angesiedelt werden", berichtet Marcel Schmidt begeistert.