Sie treffen sich am späten Sonnabend am Gerätehaus – etwa 15 Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr, Bürgermeisterin Annett Klingsporn und Amtsbrandmeister Roman Wieloch. Die Polizeiinspektion Barnim haben sie um Amtshilfe gebeten. Gegen 22.30 Uhr stoßen zwei Beamte zu der Gruppe. Der Tross setzt sich in Richtung Bernsteinsee in Bewegung.
Seit mehreren Wochenenden geht das nun schon. Hunderte Menschen bevölkern nicht nur am Tage, sondern auch in den Nächten das waldreiche Ufer. Überall brennen Lagerfeuer, sind Zelte zwischen den Bäumen aufgebaut – und das bei Waldbrandwarnstufe IV. Es wird gefeiert und getrunken. Der Unrat bleibt am Strand liegen. Und der Waldboden ist übersät mit menschlichen Fäkalien. "Das ist richtig eklig", stellt Bürgermeisterin Klingsporn fest.
Von den Ruhlsdorfern meiden die meisten den Bernsteinsee inzwischen. "Von uns geht da kaum noch einer baden", bemerkt Frank Lützow, dessen Familie zu den Alteingesessenen im Dorf gehört Dabei wird der See zu den zehn schönsten in Brandenburg gezählt. Auf Geo.de heißt es: "Für alle, die am Wochenende nicht bis an die Ostsee fahren möchten, ist der Bernsteinsee in Ruhlsdorf eine gute und nah gelegene Alternative." In den sozialen Medien würden Ruhlsdorf und der See weit über Deutschland hinaus als Geheimtipp gepriesen, erzählt Annett Klingsporn. Entsprechend groß sei der Andrang. "Die meisten Besucher kommen natürlich aus Berlin. Aber wir haben auch welche aus anderen Ländern hier", weiß sie.
"Wir freuen uns ja darüber, dass Ruhlsdorf so beliebt ist", sagt die Bürgermeisterin. Die Gäste könnten gern auch jeden Tag kommen, "aber sie sollen ihren Müll mitnehmen und vor allem kein Feuer machen. Wir wollen nicht, dass unsere Orte abgefackelt werden!" Viele hätten wenig Gespür dafür, wie groß die Gefahr durch offenes Feuer sei. "Das sind hier alles Kiefern. Die brennen wie Zunder, und schon stehen Ruhlsdorf und Sophienstädt in Flammen", befürchtet sie.
In dieser Nacht brauchen die Frauen und Männer gut drei Stunden für ihre Tour um den See. Die Reaktionen auf ihre Aufforderungen, Feuer zu löschen und Zelte abzubauen, fallen unterschiedlich aus. Manche diskutieren, obwohl es bei Waldbrandwarnstufe IV eigentlich nichts mehr zu diskutieren gibt. Andere packen ihre Sachen zusammen und wechseln, wie von Annett Klingsporn empfohlen, auf die andere Seite des Sees, auf der sich ein Campingplatz befindet.
Selbst bei sehr Widerspenstigen wird darauf verzichtet, die Personalien aufzunehmen. Feuerwehrleute und Polizeibeamte setzen lieber auf Deeskalation. Zudem handelt es sich nicht um Straftaten, sondern um Ordnungswidrigkeiten, erklärt ein Sprecher der Polizeiinspektion Barnim am Sonntag. "Dafür ist das Ordnungsamt zuständig."