Handfeste fachliche Belange sprechen nach Meinung der Sachgebietsleiterin Katrin Bornkessel gegen weitere Windkraftanlagen in Wandlitz. "Da ist zuerst der Artenschutz anzuführen. Auch fehlen teilweise die nötigen Abstandsflächen zur Wohnbebauung. Und wir haben Planungsziele der Gemeinde zu beachten", gibt die für Bauleitplanung zuständige Fachfrau beispielsweise zu bedenken. Letzteres gilt für das gesamte Gemeindegebiet. Wandlitz orientiert bekanntlich auf eine touristische Entwicklung mit Schwerpunkt auf landschaftsbezogene Erholungsaktivitäten wie beispielsweise Wandern oder Golfen. Wer aber Qualität anbieten will, kann schlecht einen Windrad-Rundkurs kreieren. Der Blick auf die Windeignungsgebiete zeigt, bei Prenden sind links und rechts der A 11 in Richtung Norden Eignungsgebiete in der Größenordnung von 68 Hektar Land eingetragen worden. Immerhin schon eine reduzierte Größe, zuvor betrug die Größe 418 Hektar Land.
Das Windeignungsgebiet Wandlitz umfasst aktuell 382 Hektar und liegt im wesentlichen auf der Gemarkung Lanke und Bernau. "Mit Bernau ziehen wir in eine Richtung. Wir sehen keinen Raum für Windkraftanlagen im Liepnitzwald", so Katrin Bornkessel. Nach verlässlichen Studien müssten für eine Anlage bis zu 7000 Quadratmeter hochwertigen Mischwaldes dauerhaft gerodet werden. Ein weiterer Grund, dies abzulehnen.
Ebenfalls ein heißes Eisen in Sachen Windkraft: die Gemarkung Klosterfelde. Dort entsteht gerade ein 188 Meter hohes Windrad durch den Investor IFE. Selbiger hat nun ein zweites Windrad genehmigt bekommen. Abermals ein Fall, der juristische Konsequenzen nach sich ziehen wird. "Der Widerspruch der Gemeinde wurde abgelehnt, nunmehr steht eine fristwahrende Klage ins Haus", so Katrin Bornkessel, die in dieser Frage auch den Rückhalt der Gemeindevertretung haben sollte. Im Streit um das Klageverfahren gegen die letzte Windkraftanlage waren sich alle Fraktionen einig gewesen, ein zweites Windrad nicht mehr zuzulassen. Auch mit diesem Argument kam schließlich eine knappe Mehrheit gegen das Klageverfahren zusammen. In Hintergrund warten zudem noch zwei weitere Anträge auf Windkraftanlagen, ebenfalls beide für das Gebiet Klosterfelde. Die Verwaltung sieht sich mit guten Karten gerüstet: Tierökologische Abstandkriterien zu geschützten Arten wurden beispielsweise nicht beachtet. Schwarzspechte oder Wald- und Rauhfußkäuze nisten dort. Und auch Abstandsflächen zur Wohnbebauung sind nicht eingehalten worden, diese müssen mindestens 1000 Meter betragen. "Das Windeignungsgebiet ist exakt 25 Hektar groß. Unsere Einwände führen zur Verringerung der Flächen mit dem Effekt, dass das ganze Windeignungsgebiet entfällt, denn es soll immer mindestens 25 Hektar Land haben."
Für das Windeignungsgebiet Schönerlinde spricht sich die Verwaltung gegen zusätzliche Anlagen aus. "Das Gebiet ist mit fünf Anlagen voll, aber wir wollen die spätere Möglichkeit des Repowering nicht verbauen", erklärt die Sachgebietsleiterin. Soll heißen: Kämen die Eigentümer der Anlagen später einmal auf die Idee, diese zu vergrößern, so dürften sie das ungehindert tun.
Wann die Einwendung bei der Planungsregion Barnim-Uckermark abgearbeitet werden, erscheint derzeit offen. In der ersten Runde der Beteiligung gingen 6000 Widersprüche ein. Die zweite Runde dürfte kaum weniger Widersprüche hervorgerufen haben. Bis zum Jahresende müssen wohl alle Beteiligten Geduld bewahren.