Die offizielle Veranstaltung hatte gerade begonnen, da musste schon die Tür zur Wandlitzer Kulturbühne "Goldener Löwe" geschlossen werden. Wer zu spät kam, hatte das Nachsehen. Bereits vor 18 Uhr fanden sich nämlich endlos viele Gäste ein, die meisten nahmen sogleich das "Welcome-Büfett" genannte Speiseangebot in Augenschein. Zu Burek aus Mazedonien, Gemüsesuppe aus Afghanistan, Kuchen aus Eritrea oder zu syrischem Hummus hatten die Köche, Asylbewerbern des Wandlitzer Heimes, eingeladen.
Der Hauptdarsteller des Abends, Autor Mathis Oberhof, badete derweil in der herzlich gestimmten Menge. Permanent wurde er angesprochen, musste Hände schütteln, er widmete sich den Presseleuten, und hin und wieder nahm er per Headset Kontakt zu den Besuchern auf. Dann pries und lobte er die Speisen und einmal bat er einen Falschparker, seine Position zu räumen.
Als Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) vorfuhr, bekam die bis dahin vorherrschende Atmosphäre eines Familientreffens unmerklich einen offiziellen Anstrich. Schnell sprach sich unter den Fotografen herum, im kleineren Teil der Kulturbühne solle ein Pressefoto mit dem Ministerpräsidenten entstehen. Woidke schrieb ein Geleitwort zum Buch, ebenso die Wandlitzer Bürgermeisterin Jana Radant.
Wenig später wird Mathis Oberhof auf der Bühne von einer "heißen Party" sprechen, dabei ist die Temperatur im "Goldenen Löwen" zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht so hoch, wie es später der Fall sein sollte. "Völlig überwältigt", so Oberhof am Beginn seiner Rede, sei er vom Echo auf seine Einladung. Und dann erzählt der Autor vom Runden Tisch. "Vor dreieinhalb Jahre platzte die Ankündigung in unsere Idylle, die Fremden kommen. 50 Asylbewerber kamen 2012 nach Wandlitz. Heute sind es 300, und keiner kann sagen, ob es zum Jahresende nicht 500 sein werden", führte Oberhof die Entwicklung vor Augen.
Oberhof wäre nicht er selbst, würde er nicht begleitend erklären, aus welchen Quellen sich seine Hoffnung für die Zukunft speist. "Mehrere Tausend Willkommensinitiativen gibt es mittlerweile im Land. Menschen öffnen ihre Herzen und stellen die Bedenken des Kopfes zurück. Sie geben Brot und ein Bett, lindern Schmerzen und helfen den Geflüchteten, eine neue Existenz aufzubauen, solange Krieg und Hunger die Heimat bedrohen."
Anschließend ruft ein damals von der Deutschen Welle weltweit in deutscher, spanischer, englischen und arabischer Sprache gesendeter Film die Zeit in Erinnerung, als die NPD Demonstrationen gegen das Wandlitzer Asylbewerberheim angemeldet hatte. "Innerhalb von 48 Stunden waren wir in der Lage, um das Heim herum einen Ring des Vertrauens zu organisieren", erklärte Oberhof dazu.
Die Wandlitzer Bürgermeisterin Jana Radant nutzte ihre Redezeit für eine Darstellung der rasanten Veränderungen in diesem Land. Beginnend bei den Ängsten der ersten Diskussionsforen, als Bürger fürchteten, sie müssten ihre Gärten mit Stacheldraht sichern. "Das ist so auf der Bürgerinformationsversammlung zum Flüchtlingsheim gesagt worden - aber nie notwendig geworden", so Jana Radant zu den Gästen. Sie ist es auch, die mit mahnenden Worten die fröhlich gestimmte Ebene dieser Veranstaltung verlässt und Ministerpräsident Woidke sowie den anwesenden Landtagsabgeordneten Aufgaben mit auf den Heimweg gibt. Einleitend mit den Worten von Bundespräsident Joachim Gauck "Unser Herz ist weit, doch unsere Möglichkeiten sind endlich", forderte sie, "Realismus in die deutsche Politik" einziehen zu lassen. "Man kann nicht unendlich viele Menschen ins Land lassen, ohne die Möglichkeit zu haben, sie adäquat unterzubringen und im Leben zu integrieren. Es muss eine realistische und solidarische Politik einsetzen, die von unserer Bevölkerung mitgetragen wird. Denn eine Asylpolitik, die nicht von unserer Bevölkerung akzeptiert wird, wird nicht erfolgreich sein." Der Verzicht auf Waffenexporte, umfangreiche Investitionen in die Bildung und den "Frieden in der Welt" sind für Jana Radant tragende Hauptthemen der europäischen Politik - heftiger Beifall brandet auf
Woidke vertraut hingegen auf das vorurteilsfreie Zugehen auf Asylbewerber. "Es folgen Begegnungen, man lernt sich kennen, entwickelt Verständnis, Vorurteile verschwinden." Oberhof, so Woidke, sei einer der Gründungsväter der Initiative "Bündnis für Brandenburg", er stehe für Toleranz im Land. 150 Willkommensinitiativen gebe in Brandenburg. "Die Wandlitzer haben schon früh verstanden, dass es nicht aufs Debattieren, sondern auf zügiges Handeln ankommt", stellte Woidke fest.
Oberhof las später Passagen seines Buches, der Wandlitzer Chor trat auf, syrische Flüchtlingen sangen mit einer Wandlitz erGymnasiastin ein Duett. Zudem wurde ein Großteil der Reden ins Englische und Arabische übersetzt. Für Oberhof ein wichtiger Beginn von Integration.