"Das wird eine der schönsten Uhren der Welt", ist Wilfried Schwuchow überzeugt. Der Kunstschmied aus Angermünde ist mit seinem Werk fast fertig. Auf seinem Grundstück steht ein rund acht Meter hoher Container, in dem die wesentlichsten Teile der rund acht Meter hohen Bernauer Wappenuhr bereits verstaut sind. In der Werkstatt des 72-Jährigen steht der Bär, kupferfarben, übergroß. Und der Schmied, der später einmal die Uhrzeit schlagen soll, bekommt an diesem Donnerstag endlich seinen zweiten Arm und den Hammer in die Hand.
Während Wilfried Schwuchow in seiner Werkstatt werkelt, kommen am Abend die Mitglieder des Hauptausschusses zusammen, um sich erneut mit der Wappenuhr zu befassen. Oder besser gesagt mit der Frage, welcher Standort in der Stadt der geeignete für das neue Wahrzeichen Bernaus ist. Baudezernentin Michaela Waigand und Stadtplanerin Sylvia Hirschfeld haben zuvor eigens Architekt Bernhard Schneider beauftragt, verschiedene Möglichkeiten zu untersuchen.
Den Durchgang am Laubenganghaus, in dem die Wappenuhr aufgehangen werden sollte, hält der Gutachter aus Berlin für gänzlich ungeeignet. "Der Grundfehler städtebaulicher Art, der in Bernau gemacht wurde, würde noch verschärft", sagt er im Hauptausschuss. Das Laubenganghaus und die Blöcke an der Alten Brauerei würden endgültig separiert. Auch die Stelle an der Grünstraße/Alte Brauerei, die Schneider zunächst durchaus für geeignet hielt, hat sich inzwischen erledigt - durch den geplanten Rathausneubau.
So bleiben seiner Ansicht nach fünf Standorte, an denen die "weltgrößte" Wappenuhr aufgestellt werden könnte: Platz am Steintor/Ecke Brüderstraße, An der Stadtmauer/Rückseite der Stadthalle, Stadthalle/Vorderseite, Lughaus 27 nördlich der Parkstraße und ein Kastanien-Rondell im Stadtpark nahe des Pulverturms. Allerdings hat die Denkmalschutzbehörde bereits signalisiert, dass ein Standort an der historischen Stadtmauer nicht infrage kommt. Damit fallen die Rückseite der Stadthalle und Lughaus 27/Parkstraße ebenfalls aus.
Die Stadtverwaltung präferiere die Standorte neben der Stadthalle und am Pulverturm, erklärt Planungsamtschefin Sylvia Hirschfeld. Die Frage von Christine Poppitz (Linke), warum die Verwaltung die Standortuntersuchung bestellte, obwohl doch die Wobau die Wappenuhr in Auftrag gab und was das externe Gutachten gekostet habe, überhört sie geflissentlich. Die Frage, die auch Daniel Sauer (CDU) hat, welchen Standort denn die Wobau für die Wappenuhr wolle, lässt sie ebenfalls offen.
Dabei hatten sich Wobau-Chef Jens Häßler und Wilfried Schwuchow längst ebenfalls auf einen Rundgang durch die Stadt gemacht, um nach geeigneten Plätzen für die Wappenuhr Ausschau zu halten. "Für uns ist der beste Standort rechterhand vor dem Eingang der Stadthalle", sagt Häßler. Es ist die Stelle, die auch Gutachter Schneider in die enge Wahl gezogen hat.
Dennoch ist Jens Häßler ziemlich sauer. "Das war der Standort, den wir von Anfang an wollten", erinnert er. Die Wappenuhr würde längst stehen, "wenn sich die Politik nicht eingemischt hätte", ist er überzeugt. "Wir wollten einen Anziehungspunkt schaffen, um Besucher in die Innenstadt zu locken. Wir hatten die Idee, wir haben den Auftrag erteilt und wir haben ihn bezahlt", bricht es aus dem Geschäftsführer heraus. Und er wundert sich über das Gebaren der Stadtverwaltung. Die Standortanalyse von Bernhard Schneider musste er sich aus dem Internet ziehen. Aus dem Rathaus hörte Häßler dazu kein Wort.
Immerhin: "Es ist suboptimal gelaufen, aber es wird ein gutes Ende finden", prophezeite CDU-Fraktionschef Othmar Nickel, Vorsitzender des Hauptausschusses, am Donnerstagabend.