Die Forderung, zur Finanzierung von Investitionen in öffentliche Anlagen im Trinkwasser- und Abwasserbereich auf Beiträge zu verzichten, wird seit vergangenem Sommer auf den Dienstagsdemonstrationen von Initiativen aus Bernau, Biesenthal, Rüdnitz und Melchow mit Nachdruck erhoben. Im Oktober hatten die Bernauer Stadtverordneten beschlossen, dass eine Arbeitsgruppe gebildet werden soll, die eine mögliche Umstellung auf eine reine Gebührenfinanzierung prüfen sollte. Dieser Beschluss hat allerdings einen Haken, der seine Umsetzung im WAV jetzt verhinderte: Er sieht nämlich vor, dass die zu beauftragenden Sachverständigen vom Verband bezahlt werden sollen. Dies ist "eindeutig rechtswidrig", sagt auch der Bernauer Berater Rechtsanwalt Ulrich Becker. Dies entspricht der Ablehnung von Verbandsmitgliedern wie Biesenthal und Melchow. Wenn eine Kommune externen Sachverstand einholen will, müsse sie diesen selbst bezahlen. Sie Moniert wurde außerdem, dass über die Höhe der Kosten keine Angaben gemacht werden. Der Bernauer Bürgermeister Hubert Handke wies darauf hin, dass er als Bernauer Verbandsvertreter verpflichtet sei, den Antrag einzubringen. Als Verbandsvorsteher müsse er den Beschluss - sollte er denn gefasst werden - jedoch überprüfen lassen.
Doch so weit kam es nicht. Der Beschluss zur Kostenübernahme wurde vertagt. Statt dessen kam ein Eilantrag der Bernauer Stadtverordnetenversammlung vom 30. Januar zum Zuge. Dieser sieht vor, dass nicht nur die Auswirkungen einer Umstellung auf eine reine Gebührenfinanzierung ermittelt werden. Einbezogen werden sollen in die Berechnungen neben der Tiefenbegrenzung nun auch die Geschossigkeit - eine weitere Forderung der Bürgerinitiativen.
Der Eilantrag wurde einstimmig von allen Verbandsmitgliedern beschlossen. Anschließend wurden die Anträge der Gemeinden Melchow und Rüdnitz, die bereits den Vollzug der Umstellung auf ein Gebührenmodell zum Ziel hatten, aufgrund der Bernauer Stimmenmehrheit im Verband abgelehnt. Nichtsdestotrotz machten die Vertreter aus Biesenthal, Melchow und Rüdnitz mit ihrer Zustimmung einhellig deutlich, dass sei eine Umstellung auf das Gebührenmodell politisch wünschen.
"Wünsche" wurden im Verlauf der Verbandsversammlung mehrfach geäußert - auch wenn mit Blick auf den Eilantrag, der Antrag einen hauptamtlichen Verbandsvorsteher einzusetzen, vertagt wurde. Biesenthals Bürgermeister André Stahl plädierte für die Hauptamtlichkeit und sprach sich zugleich dagegen aus, dass der Verbandsvorsteher auch Chef einer Verwaltung sein kann. An die Stadt Bernau appellierte er, das Stimmenverhältnis neu zu gestalten. Kein Mitglied sollte mehr als 50 Prozent haben. Schließlich regte er an, mit Blick auf Panketal und Ahrensfelde über eine Vergrößerung des Verbandes nachzudenken.