In der Öffentlichkeit macht sich die Bernauer Weber-Dependance rar. Und so war es wohl der Vermittlung von Manfred Hübler, dem einstigen Vorsitzenden des Barnimer Mittelstandshauses (BMH), zu verdanken, dass kürzlich eine Gruppe von etwa 30 Mitgliedern des Unternehmerverbandes das Werk an der Zepernicker Chaussee besichtigen konnte. Hübler leitet für Weber den Um- und Ausbau der ehemaligen Bäckerei-Hallen.
In Bernau werden Motorenblöcke und Zylinderköpfe produziert, so beispielsweise der sechs-Zylinder-Kopf für das Motorrad K 600, Zwei-Zylinder-Motoren für BMW oder auch das Sechs-Zylinder-Kurbelgehäuse für den neuen 7er-BMW, der gerade auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt/Main vorgestellt wurde. Nahezu alles, was Rang und Namen hat in der Branche, lässt bei Weber produzieren, auch Lkw-Hersteller wie Deutz oder MAN. "Doch keiner unserer Kunden hat mehr als 20 Prozent Anteil an der Produktion", sagt Werkleiter Wolf Hawlitschek. "Die nächste Krise kommt sicher, sie wird uns auch treffen, aber wir glauben, wir sind so gut gewappnet."
"Wir konzentrieren uns auf Auftragsarbeiten", führt der Bernauer Werkleiter aus. Webers eigenes Produkt - der Zwei-Zylinder-Motor - ist im vergangenen Jahr an das Textron-Motors verkauft worden. Seitdem produziert der US-amerikanische Konzern in Bernau weiter.
"Ausstoß und Qualität ist das, was uns auszeichnet", sagt Wolf Hawlischek selbstbewusst. Die Zwei-Zylinder-Kurbelgehäuse werden in zwei Schichten produziert, alle anderen Produkte im Drei-Schicht-System.
90 Mitarbeiter hat das Werk in Bernau. Bis 2016 sollen noch einmal 30 Beschäftigte hinzugekommen. "Wir waren erstaunt, was wir hier für gute Fachkräfte vorgefunden haben", erzählt der Werkleiter. "Die Menschen sind sehr gut ausgebildet, viel besser als an anderen Standorten", stellt er fest. Zugute sei Weber dabei gekommen, dass Eberswalde ein traditioneller Metallindustriestandort gewesen sei. Viele ehemalige Mitarbeiter des 2011 geschlossenen Walzwerkes in der Kreisstadt haben bei Weber einen neuen Arbeitsplatz erhalten. "Manche sind auch aus anderen Firmen der Automobilbranche zu uns gewechselt, beispielsweise aus Ludwigsfelde", erzählt Hawliczek. Alles in allem seien es vor allem Barnimer und Berliner aus dem Norden der Stadt, die bei Weber tätig sind, weiß er.
Seit 2013 bildet das Unternehmen in Bernau auch selbst aus: Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker und Industrie-Kaufleute. Pro Jahr werden drei bis vier Lehrlinge eingestellt und erstmals gibt es auch die Möglichkeit zum dualen Studium in der Fachrichtung Maschinenbau und Elektrotechnik.
Hochautomatisiert und -spezialisiert ist das Werk, stellten die Besucher beim Rundgang durch die Hallen fest und zeigten sich beeindruckt. "Wir haben in Bernau ja kaum noch Produktionsbetriebe", sagte beispielsweise Eberhard Deutschmann, dessen Familie seit 1877 eine Schleiferei in der Stadt hat. Er und auch die anderen Geschäftsleute wollten ganz genau wissen, wie das funktioniert, wenn Motorblock-Rohlinge automatisch gefräst, gebohrt und montiert werden.