Die Lärmaktionsplanung ist nicht unumstritten. Nicht, weil der Bedarf an einer Verringerung des Lärms in den Städten und Gemeinden angezweifelt wird. Kritisiert wird vielmehr häufig die mangelnde Verbindlichkeit der Planung. So stellte Bernaus Bürgermeister André Stahl (Linke) bereits im Hauptausschuss fest, das "erhebliche Erhebungen" die Grundlage für die Planung liefern, letztere aber nicht verbindlich sei. Bedauerlicherweise werde niemand zur Durchführung der Planung angehalten. Sie sei daher nur "bedingt sinnvoll", diene aber zumindest der Sensibilisierung. Die Stadtverwaltung arbeite gegenwärtig an Lösungen für den Einrichtungsverkehr.
In der Lärmaktionsplanung laufen zwei Bereiche zusammen. 2008 hatte das Europäische Parlament eine Richtlinie für saubere Luft erlassen. In Bernau waren damals an mehr als 35 Kalendertagen im Jahr Überschreitungen der Feinstaubbelastung festgestellt worden, so dass die Luftreinhalteplanung in der Zuständigkeit des Land fortzusetzen war. 2014 hat die Stadt zusammen mit dem Land die Verkehrsentwicklungsplanung 2025 mit dem Lärmaktionsplan erarbeiten lassen. Der Entwurf lag öffentlich aus, Stellungnahmen und Hinweise wurden abgewogen. Nunmehr wurden die Daten zum Schienenverkehr eingearbeitet.
Das vom Bundesverkehrsministerium aufgelegte Verkehrslärmschutzpaket II aus dem Jahr 2009 gibt vor, dass die Belästigungen durch den Schienenlärm bis zum Jahr 2020 um 50 Prozent zu reduzieren sind. In dem Maßnahmekatalog zur Lärmminderung beim Schienenverkehr in Bernau wird zwar darauf hingeweisen, dass es "eine Vielzahl von wirksamen Maßnahmen" hierfür gibt, deren Möglichkeiten aber oft nicht genutzt werden. Dies liege daran, dass ein Großteil der besonders wirksamen Maßnahmen nicht im Einflussbereich der Kommunen liege. Diese Effekte könnten insbesondere durch den Austausch der Klotzbremsen und die Errichtung von Schallschutzwänden erreicht werden.
Voraussichtlich erhebliche Umweltauswirkungen werden in der Lärmaktionsplanung dem Bau einer Entlastungsstraße attestiert. Dabei handelt es sich um die schon vor mehreren Jahren diskutierte Variante vom Bernauer Ortseingang an der Zepernicker Chaussee (L 314) bis zur Schwanebecker Chaussee (L200) und weiter bis zur Börnicker Chaussee (L30). Die Streckenführung soll mit der Bahntrasse verknüpft werden.
Die Lärmaktionsplanung kommt zu dem Schluss, dass durch den Bau dieser Straße höhere Entlastungseffekte im Hinblick auf die Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid auf dem Innenstadtring erfolgen, als wenn der Bau unterbliebe. Gleichzeitig wird aber auch mit einer Verstärkung der Belastung im Bereich Börnicker Straße/Börnicker Chaussee gerechnet. Grundsätzlich könne das Ziel, die EU-Grenzwerte einzuhalten und damit eine Verbesserung der hier lebenden Menschen zu erreichen, mit beiden Fällen erreicht werden.
Darüber hinaus wird aber auch auf nachteilige Folgen hingewiesen. So komme es zu Verlusten an Biotopen insbesondere in der Pankeniederung. Weitere Flächen würden durch den Straßenbau versiegelt. Auch die Erholungsnutzung entlang der Panke wäre beeinträchtigt. Mit dem Bau der neuen Straße würden außerdem die Mobilität des Kraftfahrzeugverkehrs gefördert und die Zerschneidung von Lebensräumen erhöht.